Auszubildende im DIAKOVERE Fachschulzentrum

Projekte in der Berufsfachschule Ergotherapie im Jahr 2016

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Lernsituation: „Nicht von der Stange!“: Hilfsmittel planen, herstellen, anpassen, evaluieren.

Im neunten Buch der Sozialgesetzgebung (SGB IX) wird eine Teilhabe am gesellschaftlichem Leben, sowie eine Partizipation und größtmögliche Selbstständigkeit gesetzlich gefordert. Hierfür sind häufig Hilfsmittel zur Kompensierung einer Beeinträchtigung nötig. Gerade jedoch, wenn es um die Partizipation und bedeutungsvollen Handlungen von Beeinträchtigten geht, ist eine Anpassung an die speziellen Fähigkeiten und Ressourcen nötig.

Die Lernenden aus dem Kurs ET14 bauen oder adaptieren im Rahmen der Lernsituation ein Hilfsmittel oder ein Gerät aus dem alltäglichen Gebrauch für einen Menschen mit Behinderung in einem der Wohnbereiche oder der Tagwerke der DIAKOVERE Annastift Leben und Lernen.

Dieses Hilfsmittel soll die Selbstständigkeit des Bewohners oder der Bewohnerin so weit wie möglich erhöhen. Im Vordergrund stehen dabei Betätigungen und Handlungen, die für den Menschen mit Behinderung bedeutsam sind. Dies kann sowohl die selbständigere Nahrungsaufnahme betreffen, als auch Tätigkeiten zur Teilhabe an der Gesellschaft oder zur Freizeitgestaltung.

Auch in diesem Jahr haben die Lernenden wieder im Rahmen der Projektarbeit selbstständig und gemeinsam mit den BewohnerInnen im Wohn- und Betreuungsbereich sowie mit den Beschäftigen der Tagwerke tolle und vor allem nützliche Hilfsmittel entwickelt. 


Projekt „Farbwannenhalter“

Ein Teilnehmer der Kreativgruppe 1 in den Tagwerken lackiert regelmäßig Holzbretter mit bunten Lacken, welche z.B. für den Bau von Vogelhäuser verwendet und dann anschließend verkauft werden.

Aufgrund seiner motorischen Schwierigkeiten bereiten ihm gezielte und geführte Bewegungen Schwierigkeiten. Der Klient arbeitet deswegen statt mit einem Pinsel mit einer kleinen Farbwalze, die er in in die Farbe der Farbwanne tunken muss. Diese Farbwannen verrutschten sehr oft, sodass der Teilnehmer nicht selbstständig seiner Tätigkeit nachgehen konnte und immer eine Betreuungsperson benötigte, die die Farbwannen festhalten oder geraderücken musste. Eine kleine, dreiköpfige Ergotherapie-Schülergruppe aus ET 16 hat sich im Rahmen der Lernsituation „Nicht von der Stange“ dieser Problematik angenommen und ein Hilfsmittel geplant, sowie dessen Herstellung organisiert. Entstanden ist ein: rutschfester, verstellbarer Farbtellerhalter. Dieser ermöglicht nun dem Teilnehmer eine größtmögliche Selbstständigkeit bei seiner bedeutungsvollen Betätigung als Teilnehmer der TagWerke und damit mehr Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

Projekt „Spiegel“ für eine Beschäftigte der Tagwerke

Im Rahmen der Lernsituation „Nicht von der Stange“ haben wir für die Tagwerke Annastift verschiedene Hilfsmittel für die Beschäftigten erstellt. Unsere Gruppe setzte ihren Fokus auf den Bau eines Spiegels.

Der Spiegel ist für eine Beschäftigte, die auf Grund ihrer Erkrankung im Rollstuhl sitzt und nur ihre Augen und Gesichtsmuskeln eigenständig bewegen kann. Der Blick der Klientin ist stetig gegen die Decke gerichtet, so dass sie nur schwer auf den Tisch schauen kann. Die Details und erwünschten Funktionen des Hilfsmittels wurden mit der Gruppenleitung abgesprochen und von uns eigenhändig gebaut. Der Winkel des Spiegels ist verstellbar, sodass er auf die jeweilige Situation angepasst werden kann. Dieses Hilfsmittel wird der Klientin  ermöglichen am Gruppengeschehen in den Tagwerken besser Teil zu haben, da sie nun  in der Lage ist,  zuzusehen, wenn  die Mitarbeiter ihre Hand bei Arbeiten am Tisch führen.

Noreen Barg, Phil Jung, Falk Scheumann, Sina Schitt (BFS Ergotherapie, ET16)

Projekt "Ausziehbare Tischplatte"

Im Rahmen unseres Unterrichtes „Hilfsmittelbau“ haben wir für einen Beschäftigten aus einer Tagesförderstätte eine ausziehbare Tischplatte hergestellt.

Im Fokus stand dabei die Optimierung seines Arbeitsplatzes, an dem der Beschäftigte täglich Werkstücke aus Holz schleift und lackiert. Aufgrund des Krankheitsbildes des Beschäftigten haben wir auf den vorhandenen Tisch im Gruppenraum des Beschäftigten Tastaturschienen sowie eine Holzplatte montiert. Dies ermöglicht dem Beschäftigten nah an der Arbeitsplatte zu sitzen sowie seine Werkstücke ablegen zu können, ohne dass gesundheitliche Schäden entstehen.

Die einfach zu bedienenden Tastaturschienen können mithilfe einer Öse in zwei Positionen festgestellt werden, sodass die Holzplatte sich während des Arbeitens nicht bewegt. Das hergestellte Hilfsmittel ermöglicht dem Beschäftigten weiterhin seine Rolle als Arbeitnehmer auszufüllen und ergonomisch zu arbeiten.

Insgesamt hatten wir 21 Unterrichtsstunden für das Projekt Zeit und haben zu viert an dem Hilfsmittel gearbeitet. Angefangen beim Brainstorming, um erste Ideen zu sammeln, bis zur Aufgabenverteilung und dem Herstellen des Hilfsmittels sowie der Dokumentation der Projektarbeit.

Mona Bartels, Lea-Louisa Hoppe, Melis Köktürk, Rebecca Müller

Projekt "Handyhalterung für den Rollstuhl"

Bei unserem Hilfsmittel handelt es sich um eine Handyhalterung, welche das Handy des Klienten stabil und sicher auf der Lehne seines Rollstuhls positioniert. Dies hat zum Ziel, dass der Klient Hr. M. sein Handy eigenständiger nutzen kann. Vorerst befand sich das Handy stets in einer Hülle, aus welcher er es nicht alleine heraus holen konnte, zudem benötigte er zur Nutzung immer einen Tisch. Indem das Handy an seinem Rollstuhl befestigt wird, hat er stets die Möglichkeit zu sehen, ob er Nachrichten oder Anrufe erhält und kann diese zudem direkt lesen und beantworten.

Das Hilfsmittel besteht einerseits aus einer handelsüblichen Sporthandyhülle, zudem gibt es eine Halterung für den Rollstuhl. Diese wurde aus stabilem und robustem Schienenmaterial (Ezeform) an die Lehne angepasst und ist jederzeit abnehmbar. Sie ermöglicht einen sicheren Halt der Handyhülle und bietet zudem die Möglichkeit diese etwas weiter vorne zu positionieren, als es auf der Lehne möglich gewesen wäre. Durch ein Verkürzen des Klettbandes der Hülle, sowie weitere Klettverschlüsse welche Hülle und Halterung verbinden wird ein stabiler Halt gewährleistet, gleichzeitig kann man Hülle und Halterung gut voneinander lösen.

Ausschließlich beim Anbringen der Halterung und der Hülle benötigt Hr. M. Hilfe, nachdem dies Morgens geschehen ist hat er nun jedoch den gesamten Tag die Möglichkeit sein Handy jederzeit, mit allen Funktionen eigenständig und selbstbestimmt zu nutzen.

Projekt "Befestigung für den Urinkatheterbeutel"

Herr G. ist auf einen Rollstuhl angewiesen und benötigt für die Blasenentleerung einen Dauerkatheter samt Urinkatheterbeutel. Der Katheterbeutel ist gewöhnlich sehr weit hinten an der Unterseite des Rollstuhls angebracht.

Damit ist er für Herrn G. nicht zu erreichen. Ein großer Wunsch von Herrn G. war es, diesen Katheterbeutel selbstständig auf seinen Füllungszustand kontrollieren und ggf. ausleeren zu können. Damit möchte er zunehmend Unabhängigkeit vom Pflegepersonal erlangen.

Wir haben an die vordere Sitzkante unterhalb des Rollstuhls von Herrn G. eine  Stofftaschenkonstruktion angebracht. Sie ist aus besonders strapazierfähigen Materialien gefertigt, um die Sicherheit & Stabilität des Beutels und damit des Katheters zu gewährleisten. Vielen weiteren Kriterien von Herrn G. konnten wir nach kommen, indem wir  z.B. die Tasche optisch im Hannover 96 - Stil gestaltet haben (seinem Lieblingsverein).

Herrn G. ist mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Er hat bereits damit begonnen, das selbstständige Ausleeren des Katheterbeutels zu trainieren.

Projekt "Stufenlos winkelverstellbarer Tisch"

Der „stufenlos winkelverstellbare Tisch“ dient dazu die Arbeitsfläche an die individuellen Möglichkeiten von kognitiv und physisch eingeschränkten Beschäftigten der Tagwerke Bemerode anzupassen. Somit wird ein selbstständiges Arbeiten innerhalb der Arbeitsgruppe Kreativ 1 ermöglicht.

Die Arbeitsfläche ist 71,5 x 40 cm groß. Eine aufgeschraubte Leiste ermöglicht das Aufstellen von Werkstücken und eine rutschfeste Unterlage verhindert das Wegrutschen dieser.

Der Winkel lässt sich mit wenigen Handgriffen leicht verstellen, sodass dies auch ohne eine extra Einweisung für jeden Mitarbeiter problemlos möglich ist. Die Vorrichtung lässt sich komplett zusammenklappen, sodass sie transportabel und leicht zu verstauen ist.

Vania Hinrichsen, Larena Bultmann, Luisa Mayer und Antonia Ronnenberg

Stickrahmen zum Besticken von Postkarten mit einer Hand

Der Einhänder-Stickrahmen besteht aus einemarretierbaren Drehteller (Durchmesser 39 cm) und einem senkrecht darauf stehenden, umklappbaren Stickrahmen, ebenfalls zur einhändigen Bedienung. Er hat eine Gesamthöhe von 32 cm ab OK Teller.Der Stickausschnitt hat einen Befestigungs-Rahmen für DinA 5-Karten (in aufgeklapptem Zustand), die von der Klientin mit der rechten Hand bestickt werden.Die Karten werden immer mit Einstich von vorn bestickt, sodass der Rahmen nach jedem Stich gedreht werden muss.

Der Stickrahmen ist mit zwei Scharnieren auf der drehbaren Holzgrundplatte mit je sechs kleinen Schrauben befestigt. Der Rahmen lässt sich mit einer Hand umlegen. Die Seitenflächen am unteren Rand erleichtern das Greifen und Umlegen.

Der Ausschnitt ist 12,5 x 8,5 cm groß und mit acht Neodym-Magneten bestückt, die ein sicheres Halten des Befestigungsrahmens auf den DIN A5-Karten gewährleisten. Der Rahmen ist komplett abnehmbar und wird in waagerechtem Zustand bestückt, was so von der Klientin selbstständig mit der rechten Hand geleistet werden kann.

Zur Arretierung der Grundplatte dient ein Holzstift, der zur besseren Handhabung eine Holzperle als Kopf hat. Die Arretierung gewährleistet einen sicheren Stand des Rahmens während des Stickvorgangs.

M. Biemann, K. Krosta, L. Oehlmann, I. Weinreich

 
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