Ein Team blickt in die Kamera

Pädagogisches Konzept der Mira Lobe Grundschule

Der inklusive Schulzweig der Werner-Dicke-Schule in Hannover

Das Schulkonzept zum Download (PDF-Datei)

Leitbild

Grundlage der Arbeit in dieser Schule ist das christliche Menschenbild. Darin ist jedem Menschen seine Würde gegeben, die unabhängig von seinen Fähigkeiten, seinen Leistungen, seiner Herkunft, seines Glaubens und seiner körperlichen Beeinträchtigungen unantastbar ist. Zudem ist dieser Schulzweig, so wie auch die Werner-Dicke-Schule insgesamt dem staatlichen Bildungsauftrag verpflichtet.

Der inklusive Gedanke ist zielführend für alle Vorhaben und Planungen des Schulzweigs. Verschiedenheit erfährt eine besondere Wertschätzung. Als Schulzweig mit einer besonderen Prägung entwickeln wir ein lebendiges Schulkonzept, welches sich unseren Schülern anpasst und sich mit diesen immer wieder verändern muss.

Die Idee der inklusiven Pädagogik

Die Idee der Inklusion geht aus von der Verschiedenheit der Menschen, die gemeinsam in einer Gesellschaft leben. Wir unterscheiden uns in Bezug auf die Hautfarbe, die Persönlichkeit, die Begabung, die körperliche Entwicklung, die kulturelle Herkunft und vieles mehr. Die Verschiedenheit der Individuen fördert die kreativen Impulse, die Toleranz und das soziale Gefüge in der Gesellschaft, wenn die Menschen mit Wertschätzung und Anerkennung in einer Gruppe leben. Inklusion bedeutet, wir schließen alle ein, alle sind willkommen. Das Leitprinzip der Inklusion besagt, dass Schulen alle Kinder, unabhängig von ihren physischen, intellektuellen, sozialen, emotionalen, sprachlichen oder anderen Fähigkeiten aufnehmen sollen. Das soll behinderte und begabte Kindereinschließen, Kinder von entlegenen oder nomadischen Völkern, von sprachlichen, kulturellen oder ethnischen Minoritäten sowie Kinder von anders benachteiligten Randgruppen oder -gebieten.

Jedem Kind wird ein großer Rahmen geschaffen, in dem es sich entwickeln und in dem es wachsen kann. Die Verschiedenheit der Kinder führt zu einemkreativen und effektiven Lernprozess. Inklusive Schulentwicklung beinhaltet die Steigerung von Leistungen mit der Entwicklung kooperativer Beziehungen und der Verbesserung des Lern- und Lehrumfeldes zu verbinden (Hinz, Boban 2003).

Die deutsche Bundesregierung hat im Dezember 2008 die UN-Menschenrechtskonvention verabschiedet, nach der grundsätzlich für alle Menschen die gleichen Möglichkeiten zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben gegeben sein müssen. Mit der Ratifizierung der UN-Konvention hat sich die Bundesrepublik Deutschlandverpflichtet, die Forderungen der Konvention schrittweise und kontinuierlich umzusetzen.

Die Erkenntnisse der Entwicklungsneurobiologie der letzten Jahre machen in vielen Studien deutlich, dass alle Kinder in einer heterogen zusammengesetzten Gruppe mehr lernen. „Während der Phase der Hirnentwicklung wird ein Überschuss an Nervenzellen und ein Überangebot an Nervenzellfortsätzen und Nervenzellverknüpfungen im kindlichen Gehirn bereitgestellt. Erhalten bleibt von diesem Überangebot nur das, was später im Leben auch wirklich genutzt und gebraucht wird. Der Restverkümmert wieder. Da das menschliche Gehirn nicht zum Auswendig lernen von Wissensinhalten sondern für das Lösen von Problemen optimiert ist, brauchen Kinder möglichst viele und möglichst verschiedenartige Herausforderungen und Aufgaben, an denen sie wachsen, eigene Erfahrungen sammeln und in Form komplexer Verschaltungsmuster in ihrem Gehirnverankern können. Und weil Menschen auch schon als Kinder ihre wichtigsten Erfahrungen in der Beziehung mit anderen Menschen machen, wäre es„hirntechnisch“ günstig, wenn Kindern Gelegenheit geboten wird, mit anderen Menschen in Beziehung zu treten, die anders sind als sie selbst, die älter oderjünger sind, die unterschiedliche Begabungen besitzen, manches besser, anderes schlechter können als sie selbst. Wer Kinder nach bestimmten Gesichtspunkten aussortiert und voneinander trennt, hindert sie also zwangsläufig daran, voneinander zu lernen und miteinander die Welt zu gestalten.“ (Gerald Hüther im Interview Nov. 2007).

Die Erfahrungen anderer Länder, in denen Integration und Inklusion schon langepraktiziert und gelebt wird, zeigen, dass sowohl das allgemeine Leistungsniveau der Schulen als auch die individuellen Fähigkeiten der leistungsstärkeren Schüler und Schülerinnen steigen, wenn sie gemeinsam mit Kindern leben und lernen, die weniger kognitives Potenzial mitbringen.

Schulkonzept

Struktur

Die Mira Lobe Grundschule hat zum Schuljahr 2012/13 ihre Arbeit aufgenommen.

Die Trägerschaft übernimmt die Annastift Leben und Lernen gGmbH. Der inklusive Schulzweig ist eine gebundene Ganztagsgrundschule mit einembesonderen pädagogischen Angebot. In ein bis vier Klassen wird jahrgangsübergreifend mit ca.80 Schülerinnen und Schülern gearbeitet. Die curricularen Vorgaben des Landes Niedersachsen gelten als verbindlicher Orientierungsrahmen. Sie steht allen Kindern der umliegenden Stadtteile offen. Die Mira Lobe Grundschule will langfristig eine wohnortnahe, in den Stadtteil implementierte Schule werden. Auf der Grundlage der inklusiven Pädagogik entwickelt die Mira Lobe Grundschule ein lebendiges Schulkonzept, dass auf vier Säulen ruht:

  • Christliches Menschenbild
  • JahrgangsmischungGanztag
  • Musisch – Künstlerischer Bereich

Ziel unserer Arbeit ist es, die Kinder zu fachlicher und sozialer Kompetenz zuführen. Dadurch können sie selbstständig und verantwortungsvoll mit sich, ihren Mitmenschen und ihrer Umwelt umgehen. Die Bedürfnisse der Kinder werden ernst genommen. Diese Sicht auf jedes einzelne Kind, erfordert eine besondere Lernorganisation, Lehrerrolle und einen besonderen Schulalltag. Die Raumaufteilung des Gebäudes unterstreicht den Anspruch an eine veränderte Lernorganisation. In verschiedenen Räumen arbeiten die Schülerinnen und Schüler an gleichen oder verschiedenen Themen auf unterschiedlichen Niveaus. Die Rolle des Lehrers, der Lehrerin verändert sich zu der eines Moderators und Experten für das Lernen und dessen Methoden. Insofern wird im Unterrichtsgeschehen ein Paradigmenwechsel vollzogen.

In jeder Lerngruppe lernen und arbeiten 18 bis 20 Kinder. Die Zusammensetzung der heterogenen Lerngruppen berücksichtigt die vielfältigen Besonderheiten aller Kinder und betont das Miteinander und voneinander lernen. In jeder Klasse lernen 6 Kinder mit unterschiedlichem, festgestelltem sonderpädagogischen Förderbedarf. Das langfristige Ziel der Schule ist eine Auflösung der noch notwendigen Etikettierungen. Ein multiprofessionelles Team aus Grundschullehrkräften, Förderschullehrern und -lehrerinnen und Pädagogischen Mitarbeitenden leitet die heterogene Lerngruppe.

Die enge Zusammenarbeit mit Schulpsychologen, Sozialpädagogen, Sozialarbeitern, mit Schulärzten, Ergo-und Physiotherapeuten ist eine logische Folge, wenn allen Schülerinnen und Schülern in ihren individuellen Bedürfnissen Rechnung getragen werden soll.

Der Index für Inklusion von T. Booth und M. Ainscow bearbeitet von I. Boban und A. Hinz (2003) begleitet uns als Orientierung und Leitfaden bei der Entwicklung unseres inklusiven Schulzweigs in Hannover

Christliches Menschenbild

Der Schulträger, die Annastift Leben und Lernen gGmbH, ist geprägt vom Gedanken der Diakonie, und weiß sich allen Menschen in ihren besonderen Lebenslagen verpflichtet. Er schafft einen inklusiven Schulzweig, der die Bildungs- und Erziehungsbedürfnisse aller Schüler berücksichtigt. Aus dieser Sicht soll gerade diese inklusive Grundschule in diakonischer Trägerschaft offen sein auch für Kinder und Jugendliche aus anderen religiösen und auch nicht religiösen Kontexten. Sie versteht sich als Teil des öffentlichen Schulwesens und ist Ausdruck einer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung.

Eingebunden in die Annastiftsgemeinde gestalten wir Gottesdienste und Andachten. Religionsunterricht und Rituale sind Teil des Alltaggeschehens. Bewahrung der Schöpfung, Gerechtigkeit und Frieden sind Werte, die innerhalbverschiedener Projekte vermittelt werden. Die Mitwirkungsstrukturen von Eltern, Erziehern, Kindern und Mitarbeitenden werden in einer Schulverfassung verankert, die gemeinsam entwickelt wird und über die gesetzlichen Vorgaben hinaus gehen kann.

Für das Verständnis von Musik, Kunst und Literatur der abendländischen Kultursind Kenntnisse über die Grundlagen des Christentums ein entscheidender Schlüssel, den eine Schule mit musisch-künstlerischem Schwerpunkt vermitteln muss.

Musik, Kunst und Theater

„In jedem Menschen steckt ein Künstler“. Diesem Motto von Joseph Beuys folgend wird der musisch-künstlerischen Arbeit an der Mira Lobe Grundschule ein hoher Stellenwert eingeräumt. Die bildende Kunst, das Theater und die Musik ermöglichen den Kindern einen Zugang zum Leben und Erleben jenseits der aktuellen Wissensvermittlung. Die Ansprache der Schülerinnen und Schüler über das gesprochene und geschriebene Wort hinaus öffnet alle Sinneskanäle und erleichtert das Lernen. Musik und Bewegung, Singen und Malen, Improvisation, Rollenspiele, Tanz und Trommeln sind Bestandteile des Unterrichts und werden fachübergreifend eingebunden. Die Kinder werden durch die Kunst ganzheitlich angesprochen. Musik und Rhythmik schulen die Konzentrations- und Wahrnehmungsfähigkeit, die Sensomotorik, die Koordination von Sprache, Hand und Fuß und nicht zuletzt das Gemeinschaftsgefühl, das beim gemeinsamen Musizieren, Tanzen und Theater spielen erlebt wird. Im inklusiven Unterricht bilden musische Themen eine Grundlage der Gemeinschaft. Hier verändern sich die Leistungsmöglichkeiten eines jeden Kindes, Rollenzuweisungen werden durchbrochen. Durch musische Inhalte erfahren die Kinder einen verlässlichen zeitlichen Rahmen des Schulalltags. Zur Begrüßung und zur Einleitung von Arbeitsphasen wird musiziert. Das Malen und die Musik können zu Entspannungsphasenbeitragen.

Am Nachmittag haben die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, ihren individuellen künstlerischen und musikalischen Interessen in Arbeitsgemeinschaften nachzugehen. Der Schulzweig ist durch die Anbindung an die Werner-Dicke-Schule in der Lage,zahlreiche Musikinstrumente vorzuhalten. Ein Künstleratelier im Schulgebäude lädt die Schülerinnen und Schüler ein, sich kreativ mit den verschiedensten Techniken und Materialienauseinanderzusetzen. Präsentationen und kleine Ausstellungen haben innerhalb des Schullebens einen hohen Stellenwert. Das Schulgebäude bietet genügend Raum für kreative Gestaltungsmöglichkeiten. Das darstellende Spiel in der Grundschule ist eine große Möglichkeit, die Entwicklung und Lernfähigkeit der Kinder zu fördern. Szenische Übungen unterstützen durch ihren ganzheitlichen und handlungsorientierten Ansatz den Spracherwerb und die Sprachentwicklung des Kindes. Durch den Einsatz kreativer szenischer Methoden werden sehr gezielt Situationen geschaffen, in denen die Kinder durch die Verbindung von Körper und Kopf lustvoll menschliche Begegnungen trainieren. Die dabei erlangte Sicherheit stärkt ihr Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl und motiviert sie, sich den sprachlichen Anforderungen weiter zu öffnen. Die Strukturierung gemeinsamer Handlungssituationen und ihre sprachliche Erarbeitung, stärken die soziale Kompetenz und führen zu einem guten Miteinander in heterogenen Gruppen. Die Lehrkräfte und Mitarbeiter des inklusiven Grundschulzweigs haben eine Ausbildung in Musik, Kunst oder Theater.

Bewegung

Wichtiger Bestandteil im Schulalltag der Mira Lobe Grundschule sind regelmäßige Bewegungsangebote für die Kinder. Neben dem Schulsport wird Psychomotorik als Bewegungsförderung angeboten, außerdem finden Arbeitsgemeinschaften mit motorischen (sportlichen)Schwerpunkten statt. Das Außengelände bietet zusätzlich Raum für vielfältige Aktivitäten. Bewegung ist eine Grundvoraussetzung für das Lernen, Motorik kann nicht isoliert gesehen werden, sondern in der Funktionseinheit von Bewegen, Erleben, Denken, Fühlen und Handeln. Um Handlungskompetenz und Handlungsfähigkeit zu erreichen sind vielfältige Erfahrungen im Bereich der Körperwahrnehmung, der Materialerfahrung und der Sozialerfahrung wichtig. Diese Erfahrungsbereiche ermöglichen eine Förderung für jedes Kind und stärken damit die Persönlichkeit der einzelnen Kinder.

Jahrgangsmischung

Schülerinnen und Schüler in altersgemischten Gruppen lernen zu lassen, ist Prinzip der Mira Lobe Grundschule. Die Kinder einer Lerngruppe arbeiten zusammen, indem offene Unterrichtsformen mit innerer Differenzierung praktiziert werden. So können alle Schülerinnen und Schüler in ihrem eigenen Tempo und ihren Möglichkeiten entsprechend lernen. Jüngere können von Älteren profitieren und umgekehrt. Die Schülerinnen und Schüler sollen befähigt werden, Lernprozesse selbst zu initiieren und zu strukturieren.

Das soziale Gefüge der jahrgangsübergreifenden Lerngruppen ist flexibel. Es gibt einen festen Klassenverband mit einem festen Mitarbeiterteam. Jedes Jahrkommen jüngere Kinder in die Lerngruppe hinzu und ältere verlassen sie. Festgefahrene Rollen im Gefüge einer Lerngruppe werden so immer wieder aufgeweicht. Alle Kinder haben stets Chancen, neue Beziehungen einzugehen und bestehende zu pflegen.

Die Schulanfänger in einer Lerngruppe können sich an den älteren Schülerinnen und Schülern orientieren. Indem die älteren Kinder durch ihr Verhalten Rituale, Regeln und schon bestehende Absprachen der Lerngruppe vorleben, wachsen die Jüngeren ganz natürlich in die Gruppe hinein.

Die Kinder entwickeln soziale Kompetenzen in einer Umgebung, in der Verschiedenheit das Normale ist. Akzeptanz des Andersartigen, Toleranz der verschiedenen Möglichkeiten des Verhaltens und Wertschätzung des Besonderen führen zu einer Ausbildung von sozialem Engagement im Einklang mit den eigenen Bedürfnissen. Die Schülerinnen und Schüler entwickeln Teamfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein, wie sie von der Gesellschaft dringend benötigt wird.

Ganztagskonzept

Die inklusive Pädagogik rechnet grundsätzlich mit der Komplexität und Heterogenität der Lerngruppen und stellt sich in ihren kognitiven, sozialen und emotionalen Entwicklungs- und Lernangeboten darauf ein. Unterricht und Schulleben ermöglichen reiche Erfahrungen von Gemeinschaft, für die die Zeit am Vormittag nicht ausreichend ist. Deshalb muss eine inklusive Schule eine gebundene Ganztagsschule sein. Das ganztägige gemeinsame Lernen bietet allen Lernenden Zeit und Raum neben kognitiven Lernfortschritten auch sozial-emotionale Lernziele wie Teamfähigkeit, soziale Verantwortung und Selbstbewusstsein zu entwickeln, die eigenen Stärken zu entdecken, auszubauen, mit anderen zu teilen und sie weiterzugeben. Ruhezonen bieten bei Bedarf Rückzugsmöglichkeiten, die innerhalb des Schultages eine Abwechslung von konzentriertem Arbeiten und Entspannung ermöglichen.

Der verlängerte Zeitraum Schule ermöglicht spezielle Gruppenangebote, in denen ähnliche oder gemeinsame Erfahrungen in der Verschiedenheit deutlich werden.

Zudem eröffnet sich die Möglichkeit, Aktivitäten anzubieten, die die Steuerung von Impulsen schulen (z.B. psychomotorische, sensomotorische, rhythmische oder trainierende Körperarbeit).

Die gebundene Ganztagsschule bietet allen Kindern individuelle Möglichkeiten, dem allgemeinen Anspruch auf Leistung zu entsprechen. Aufgrund der ganzheitlichen Verzahnung haben alle Kinder die Chance im außerunterrichtlichen Bereich Fähigkeiten zu entdecken, zu entwickeln und zu festigen, die sich wiederum positiv auf das Arbeitsverhalten auswirken. Themen und Inhalte des Unterrichts werden in offenen Lernzeiten spielerisch variiert ausprobiert und vertieft. Nur im gebundenen Ganztag werden Lern- und Erfahrungszeiten wirklich verbunden.

Der Schultag an der Mira Lobe Grundschule ist rhythmisiert in einem Wechselspiel von Anspannung und Entspannung. Rituale wie Tagesbeginn und -abschluss, gemeinsame Mahlzeiten, gemeinsame Tagesplanung und Ergebnispräsentation im von den Schülern moderierten Forum und Klassenrat geben allen Kindern Orientierung und Sicherheit im Tages- und Wochenverlauf. Morgens bietet die Mira Lobe Grundschule Kindern ab 7.00 Uhr die Möglichkeit einer Betreuung. Um 8.00 Uhr erwarten die Klassenteams alle Kinder in der Lerngruppe. Die Schülerinnen und Schüler beginnen den Tag mit dem morgendlichen „Chef des Tages“. Der Unterricht erfolgt in Blöcken, die durch Pausen- und Essenszeitenunterbrochen werden.

Um in der heterogenen Gruppe erfolgreich arbeiten zu können, werden offene und differenzierende Unterrichtsformen, freie Arbeit und Projektarbeit sowie fächerübergreifendes Lernen in thematischen Einheiten eingesetzt. Kooperatives Lernen erhält einen besonderen Schwerpunkt. Verschiedene Lernformen und Methodenwechsel ermöglichen individuelles und gemeinschaftliches Lernen. Die Schülerinnen und Schüler werden zu einem selbstständigen und eigenverantwortlichen Lernen ermutigt, womit auch die Lernfreude der Kinder erhalten und gefördert wird.

Das gemeinsame Mittagessen mit der Klasse wird um 12.40 Uhr eingenommen. Von 13.10 Uhr bis 13.40 Uhr schließt sich eine Pause an, die zum Freispieleinlädt. Ruhezonen und offene Angebote kommen den besonderen Bedürfnissen aller Kinder nach. Von 13.40 Uhr bis 15.00 Uhr findet eine weitere Arbeitsphase statt. Ab 15.00 Uhr können die Schülerinnen und Schüler ohne Hausaufgaben nach Hause gehen.

Von 15.00 Uhr bis 17.00 Uhr sind auf freiwilliger Basis weitere Arbeitsgemeinschaften und offene Angebotsinseln vorgesehen. Die Arbeitsgemeinschaften werden auch von externen Fachleuten und Institutionenangeboten (Sportvereine, Eltern, Handwerker der Umgebung etc.). Immer aber sind auch unsere festen Mitarbeitenden der Schule beteiligt, damit die fachkompetente und kenntnisreiche Betreuung aus dem Vormittag auch am Nachmittag die Kinder begleiten kann. Am Freitag endet der Unterricht um 12.30Uhr. Anschließend gibt es Mittagessen und ein offenes Betreuungsangebot bis 15.00 Uhr.

Die Woche beenden wir mit der „0ffenen Bühne“, einer Veranstaltung der ganzen Schule, auf der jede Klasse den anderen Schülerinnen und Schülern zeigen kann, was sie besonderes in der Woche gelernt und erarbeitet haben. Das können kleine Theaterstücke oder Tanzdarbietungen sein, da kann ein Kind etwas über sein Forschungsprojekt berichten oder es wird gemeinsam gesungen, getanzt und musiziert.

Multiprofessionelle Zusammenarbeit

Die Mira Lobe Grundschule ist eine lebendige Schule, an der das multiprofessionelle Kollegium, Schülerinnen, Schüler und Eltern eine aktive Schulgemeinde bilden.

Das Kollegium der Schule setzt sich aus verschiedenen Mitarbeitenden zusammen: Pädagogisches Team: Lehrkräfte für Grund- und Förderschule mit erstem und zweiten Staatsexamen, Erzieher/innen, Heilpädagogen/innen, Sozialpädagogen/innen, Heilerziehungspfleger/innen Unterstützende Assistenzkräfte: Praktikanten/innen der Universitäten, junge Menschen im Freiwilligen Sozialen Jahr, Heilerziehungspfleger/innen in der Ausbildung.

Durch die Heterogenität der Schülerschaft ist eine enge Zusammenarbeit mit weiteren Fachleuten notwendig, z. B. Ergo- und Physiotherapeuten/innen,Logopäden/innen, Psychologen/innen der Werner-Dicke-Schule und Mitarbeitende Kommunaler Sozialer Dienste.

Leben und Lernen in der Mira Lobe Grundschule

Die wertschätzende Haltung und die individuelle Sichtweise, die das Leben in der Werner-Dicke-Schule bestimmt, wird auch die Arbeit im Schulzweig bestimmen. Umgekehrt ist zu erwarten, dass die Unterrichtsprinzipien des inklusiven Schulzweigs in Bezug auf Heterogenität einen positiven Einfluss auf die Werner-Dicke-Schule ausüben wird.

Umgang mit Vielfalt

Das Team für Vielfalt

Wenn Kinder mit vielfältigen Besonderheiten in einer Lerngruppe zusammen lernen, so ist das Zusammenwirken in multiprofessionellen Teams notwendig. In diesen Teams entsteht ein Wissenstransfer zwischen den verschiedenen Berufsgruppen. Vielfältige Formen von Kooperation und gegenseitiger Verantwortlichkeit werden entwickelt. Der Unterricht und der soziale Raum Unterricht verändern sich deutlich, wenn mehrere Erwachsene zeitgleich in und mit der Gruppe arbeiten. Der Unterricht für alle Kinder wird in diesen Teams gemeinsam geplant und vorbereitet. Es gibt keine Aufteilung der Zuständigkeit für bestimmte Schülerinnen und Schüler. Im Team ist die individuelle Fortbildung und kontinuierliche Weiterentwicklung der Kooperation entscheidend.

 

 

Lernen in einer heterogenen Gruppe

Die Schülerinnen und Schüler sollen ein starkes positives Selbstwertgefühl erlangen. Dies stärkt ihre Autonomie. Jedes Kind weiß, was es gelernt hat und wählt den Zeitpunkt zu zeigen, was es weiß und was es kann. Das verlangt von den Lehrpersonen das Vertrauen in die gute Entwicklung des Kindes und seiner Lernprozesse. In der Regel lernen die Schülerinnen und Schüler im Unterricht gemeinsam. Dabei arbeiten sie mithilfe von Methoden des offenen Unterrichts und des kooperativen Lernens. Dies ermöglicht zum einen das lernzieldifferente Arbeiten. Zum anderen wird neben dieser Individualisierung des Lernens gruppenbezogen an gemeinsamen Themen gearbeitet. Jedes Kind erhält seine persönlichen Lern- und Entwicklungsangebote.

Ganzheitliches Lernen und das Lernen „mit allen Sinnen“ sind die Unterrichtsprinzipien. Die Kinder gestalten ihr schulisches Lernen in wachsender Selbstständigkeit. Sie werden in diesem Prozess durch die Erwachsenen verantwortlich begleitet und beraten.

Das Thema des jeweiligen Unterrichts einer Lerngruppe ergibt sich aus dem Kerncurriculum der Grundschule, der Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen und dem Kerncurriculum der Förderschule mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung, an die wir uns als staatlich anerkannte Ersatzschule halten. Diese werden zu schuleigenen Arbeitsplänen weiter entwickelt. Sie konkretisieren, welche Inhalte und Themen in welcher Rhythmisierung angemessen erscheinen und welche methodischen Wege beschritten werden. Die Arbeit mit einer heterogenen Gruppe bringt in besonderer Weise die Bedeutung schulischer Rituale zur Geltung. Diese dienen allen Kindern zur sicheren Orientierung im Tages- und Wochenverlauf. Sie passen sich im Laufe der Schulzeit den Bedürfnissen des jeweiligen Alters an.

Eine architektonisch besonders gestaltete Lernumgebung unterstützt Möglichkeiten der verschiedenen Arbeitsmethoden und Lernstationen. Wir verfügen über ein Forum, aber auch Fach- und Arbeitsräume, in die sich Arbeitsgruppen zurückziehen können. Das gesamte Haus ist so bemessen, dass Lernen an verschiedenen Stationen und auf verschiedenen Ebenen möglich ist.

Leistungen wahrnehmen, würdigen und fördern

Der Verzicht auf Noten und Zensuren während der Schulzeit zugunsten von Gesprächen und Berichten ist eine wesentliche Voraussetzung für unsere Arbeit. Wichtig ist für uns eine Auseinandersetzung zwischen Lehrer/innen, Erzieher/innen, Schüler/innen und Eltern, um individuelle erfolgreiche Lernwege aufzuzeigen.

Der Leistungsbegriff der Mira Lobe Grundschule umfasst einerseits konkrete Lernleistungen im Bereich des Wissenserwerbs und andererseits eine parallele Schwerpunktsetzung im sozialen Lernen und der Förderung der kommunikativen Kompetenz der Schülerinnen und Schüler. Sich gegenseitig zu helfen, Rücksicht zu nehmen, anderen etwas zu erklären, sich mitzuteilen und zuhören zu können sind wichtige, den Schülerinnen und Schülern täglich abverlangte Leistungen. In einer heterogenen Lerngruppe ist es notwendig, die Leistungen an den formal für das einzelne Kind geltenden Kerncurricula und gleichzeitig an der konkreten Lernentwicklung dieses Kindes zu beschreiben. Vertreten wird ein individualisierter, dynamischer Leistungsbegriff. Das Erreichen der individuellen Lernziele eines Kindes wird mittels unterschiedlicher Lernstandserhebungen, Orientierungs- und Vergleichsarbeiten überprüft.

Durch Lernentwicklungsgespräche mit den Eltern und dem Kind, sowie Berichtszeugnissen wird der aktuelle Lernstand regelmäßig transparent gemacht. Für alle Schülerinnen und Schüler werden individuelle Lernentwicklungspläne erstellt und kontinuierlich fortgeschrieben. Diese enthalten Ziele und Aussagen zu verschiedenen Kompetenzbereichen. Sie werden mit den Schülerinnen und Schülern und den Eltern besprochen und regelmäßig evaluiert. Eine umfassende und professionelle Lernstandsdiagnostik und die Transparenz zwischen Schule und Eltern ist die Grundlage für eine gelingende individuelle Förderung.

Jedes Kind braucht in der Begleitung seiner Lern- und Leistungsentwicklung individuelle Anerkennung und Wertschätzung. Rückmeldungen der Lehrkräfte an Kinder und Eltern beziehen sich daher immer auf die Leistungsentwicklung des einzelnen Kindes und nicht auf den Vergleich innerhalb der Gruppe. Regelmäßige Lernstandserhebungen sind damit kein Selektionsinstrument, sondern werden verstanden als Ausgangspunkt einer Beratung und ermöglichen eine am Lernstand orientierte Weiterarbeit.

Erst in Klasse 4 erhalten die Schülerinnen und Schüler neben dem Lernentwicklungsbericht ein Notenzeugnis sowie eine Eignungsfeststellung für die Wahl des weiterführenden Schulangebots. Verlässt ein Kind wegen Umzugs oder Schulwechsels die Schule, so wird ebenfalls ein Notenzeugnis erstellt.

Inklusion - Was bedeutet Vielfalt?

Die Vielfalt der Erfahrungen, die durch die inklusive Pädagogik ermöglicht wird, fördert alle Kinder in ihren Lernleistungen. Von der Auseinandersetzung mit Menschen, die anders sind, profitieren die Kinder. Die Entwicklung der synaptischen Netzwerke im Gehirn wird auf diese Weise angeregt. Die entstehenden Verknüpfungen fördern die Fähigkeit zum Lösen von Problemen. Genau diese Fähigkeit ist eine der wichtigsten Schlüsselkompetenzen, die wir von der kommenden Generation erwarten. Es zählt nicht nur der reine Wissenserwerb an Fakten und Kenntnissen, sondern die frühe Selbstverständlichkeit, eigene Fähigkeiten und Fertigkeiten in den verschiedensten sozialen Zusammenhängen einzuüben und auszubauen. Inzwischen benötigt z.B. jede Führungskraft ein großes Maß an emotionaler Intelligenz.

Schulleben und Schulklima

Verantwortung und Mitwirkung

In der Mira Lobe Grundschule ist der achtsame Umgang Voraussetzung und Bedingung des schulischen Miteinanders. Ein Klima der Wertschätzung und Anerkennung hat absolute Priorität. Das Schulleben bekommt dadurch eine besondere Qualität.

Die Schulgemeinschaft verstehen wir als demokratische Gemeinschaft, in der die persönliche Freiheit des Einzelnen dort endet, wo die Interessen anderer berührt sind. Die Schule ist Lern- und Lebensraum mit ausreichend Zeit und Akzeptanz für die Bedürfnisse des Einzelnen.

Verantwortung und Mitwirkung zeigen die Schülerinnen und Schüler über die eigene Lerngruppe hinaus in wöchentlichen Schulversammlungen. Besondere inhaltliche Schwerpunkte, die die Schulgemeinde insgesamt betrifft, bestimmen und entwickeln die Kinder. Ebenso sind Regelfindung und –einhaltung wichtige Themen. Es gibt gemeinsame Schulregeln, die für alle Schülerinnen und Schüler in der Schule gelten. Diese werden in einem gemeinschaftlichen Prozess erarbeitet. Darüber hinaus können die einzelnen Lerngruppen im Schülerrat individuelle Absprachen und Regeln verhandeln und festlegen. Alle Regeln in der Schule unterliegen dem demokratischen Prozess.

Dem entsprechend erfährt das gemeinsame Gespräch eine besondere Kultivierung, sei es im morgendlichen Forum, im wöchentlichen Klassenrat und in sonstigen Unterrichtsgesprächen. Für alle Kommunikationsformen (Unterstützte Kommunikation, Gebärden oder Ähnliches) ist ausreichend Raum und Zeit. Die Schülergruppe lernt so individuelle Formen des Austauschs kennen und erfährt, dass menschliches Miteinander sich auch anders als ausschließlich mit Lautsprache gestalten lässt.

Wenn die Gruppe so unterschiedliche Persönlichkeiten umfasst, wird die Berücksichtigung der Bedürfnisse aller zu einer großen gemeinsamen Aufgabe.

Veranstaltungen und Feste

Mit den verschiedensten Veranstaltungen und Festen wird gemeinschaftliche Identifikation gestiftet: 

  • Gottesdienste und Andachten mit der Kirchengemeinde. 
  • Jährliche Veranstaltungen wie Einschulungsfeier, Verabschiedung abgehender Schülerinnen und Schüler, Schulweihnachtsfeiern, Sommer- und Sportfeste 
  • Vernissage 
  • Konzerte 
  • Theateraufführungen Wöchentliches Forum zur Präsentation von Schülerarbeiten (Offene Bühne)
  • Täglicher „Chef des Tages“ zur Tagesplanung 
  • Tägliche Reflektion und Präsentation der Arbeitsergebnisse 
  • Lebensfeste und Lebenszeitenwand für besondere Ereignisse (wie Geburt, Hochzeit oder Tod) 
  • Klasseninterne Feiern 
  • Veranstaltungen in der Stadtöffentlichkeit 
  • Klassenübergreifende Projektfahrten

Zusammenarbeit Schule und Erziehungsberechtigte

Die Mitarbeit der Eltern als Experten für ihre Kinder erfährt eine besondere Wertschätzung. Die intensive Zusammenarbeit und gemeinsame Verantwortung für eine inklusive Pädagogik sind eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung der Schülerinnen und Schüler. Demokratische Beteiligungsprozesse werden durch die gemeinsame Gestaltung einer Schulverfassung gesichert.

Es gibt vielfältige Mitgestaltungsmöglichkeiten für Eltern, z.B.:  Mitarbeit in diversen Schulgremien Mitarbeit in und Angebot von Arbeitsgemeinschaften am Nachmittag Unterstützung im Unterricht als Expertin/en für unterschiedliche Themengebiete Einrichtung und Verwaltung der Schülerbibliothek... - um nur einige der Möglichkeiten zu nennen.

Außerschulische Partner

Professionelle Ressourcen von außen und der Einsatz der Eltern und Erziehungsberechtigten runden das ganzheitliche Angebot der Schule ab.

Die Arbeitsgemeinschaften am Nachmittag umfassen ein reiches Inhaltsspektrum und bieten in der Schule das, wofür Eltern ihre Kinder sonst zu verschiedenen „Nachmittagsinseln“ fahren (Sprachen, Sport, Musik, Kunst, Natur etc.). Die Schule öffnet sich mit dem AG-Angebot der Kompetenz von außen, nutzt auf diese Weise die Ressourcen für den regulären Unterricht und profitiert damit vielfältig von der Sach- und Fachkenntnis außerschulischer Partner.

Schule als lernende Institution:

Die Mira Lobe Grundschule bleibt eine Schule in Bewegung. Schulentwicklung braucht innovative Formen der Kommunikation in der gemeinsamen Arbeit. Wöchentlich ist ein Nachmittag der gemeinsamen Arbeit des pädagogischen Teams in der Schule vorbehalten. Es besteht eine Präsenzzeit für alle Mitarbeitenden von 15.00 – 18.00 Uhr. Die Arbeit erfolgt in unterschiedlichen Konstellationen: 

  • Lerngruppen-Team 
  • Gesamt-Team 
  • Kollegiale Beratung 
  • Fachkonferenzen 
  • Treffen zur Schulentwicklung 
  • Kompakttage: Die letzten drei Tage der Sommerferien und die beiden Tage der Halbjahresferien werden zur Schulinternen Fortbildung der Mitarbeitenden genutzt.

 

In regelmäßigen Fortbildungen erweitern die Mitarbeitenden ihre Fachkompetenz in Bezug auf die Arbeit in heterogenen Gruppen.

Die Schulleitung übernimmt die Führungsaufgaben im Management und in der pädagogischen Grundausrichtung der Schule, arbeitet nach dialogischem Entwicklungskonzept mit den einzelnen Lerngruppen-Teams, den diversen Arbeitsgruppen und vertritt die Schule nach außen. Sie arbeitet wertschätzend mit dem Ziel der Nachhaltigkeit und unterstützt die Professionalisierung des pädagogischen Personals in der Weiterentwicklung der inklusiven Schule.

Die Mira Lobe Grundschule fühlt sich der beständigen Schulentwicklung verpflichtet und strebt eine Evaluierung ihrer Arbeit auf der Grundlage des Index für Inklusion und durch die Zusammenarbeit mit Universitäten an. Die Schule ist offen, Studierende in ihren Abschlussarbeiten zu unterstützen und ihnen ein Forschungsfeld zu bieten. Die enge Verzahnung von Praxis und Forschung bewirkt eine stetige Erneuerung der Arbeit in diesem inklusiven Schulzweig.

 
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