Bundesbehindertenbeauftragter Jürgen Dusel besucht MZEB und Beratungsstelle Menschenskind der DIAKOVERE

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Prof. Dr. Stephan Martin (Ärztlicher Leiter MZEB), Katrin Sommerfeld (Menschenskind), Frauke Mendez-Escoto (MZEB), Jürgen Dusel (Bundesbehintertenbeauftragter), Pastor Uwe Mletzko (Vorsitzender BEB e.V. und Theologischer Geschäftsführer DIAKOVERE), Barbara Heuerding (Geschäftsführerin BEB e.V.) und Stefan David (Vorsitzender der DIAKOVERE-Geschäftsführung) (v.l.n.r.)

Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung, hat diese Woche das Bruno-Valentin-Institut und die Beratungsstelle „Menschenskind“ des DIAKOVERE Annastifts in Hannover besucht. Auf Einladung von Pastor Uwe Mletzko, Vorsitzender des Bundesverbandes evangelische Behindertenhilfe e.V. (BeB) und theologischer Geschäftsführer der DIAKOVERE gGmbH, informierte er sich in einem der bundesweit ersten Medizinischen Zentren für Erwachsene mit Behinderung (MZEB) umfassend über die Arbeit der diakonischen Einrichtung. „Unser MZEB ist weit über Hannovers Grenzen hinaus bekannt – wir haben Anfragen von Betroffenen und Fachleuten aus ganz Deutschland!“, so Pastor Uwe Mletzko.

Das Bruno-Valentin-Institut hatte im Mai 2017 mit rund 150 Patienten zunächst im Probebetrieb seine Arbeit aufgenommen und läuft seit Februar 2019 im Regelbetrieb. Seitdem wächst das MZEB stetig. Die Spezialisten für schwere körperliche Mehrfachbehinderungen bieten umfassende ambulante medizinische Versorgung durch fünf Fachärzte, Psychologen, ein Casemanagement, Kontinenzberatung, Ergo- und Physiotherapie sowie Sozialberatung an – interdisziplinäre Leistungen aus einem Guss. Inzwischen profitieren mehr als 1.500 Betroffene und ihre Angehörigen von den Angeboten des Bruno-Valentin-Instituts.

DIAKOVERE bietet über alle Geschäftsbereiche hinweg ein umfassendes Versorgungs- und Beratungsangebot, wenn es um Menschen mit Behinderungen geht. Seit über fünf Jahren wird die Behindertenhilfe der DIAKOVERE Annastift Leben und Lernen durch die Beratungsstelle „Menschenskind“ ergänzt. Drei Sozialpädagoginnen und Familienberaterinnen kümmern sich um (angehende) Eltern mit einem behinderten Kind. Die sozial-psychologische Unterstützung gibt den Betroffenen wertvolle Orientierung: Sowohl bei der schwierigen Entscheidung nach dem „Ob“ als auch bei der verlässlichen Begleitung der Eltern nach der Geburt – mit praxisgerechter Hilfestellung für den Alltag mit einem beeinträchtigtem Kleinkind.

Bundesbehindertenbeauftragter Jürgen Dusel wollte bei seinem Besuch die persönliche Seite der Betroffenen hören, aber natürlich auch erfahren, wie die DIAKOVERE gGmbH das MZEB und die Beratungsstelle weiterentwickeln will, wo kritische Punkte und gesetzliche Handlungsbedarfe liegen: „Eine gute medizinische Versorgung ist für die meisten von uns selbstverständlich. Für viele Menschen mit Schwerst- und Mehrfachbehinderungen gilt dies jedoch nicht. Das hat zur Folge, dass auch kleine medizinische Probleme bei fehlender Behandlung zu einer Gefahr werden können," so der Beauftragte. „Deswegen sind MZEB wie das Bruno-Valentin-Institut so wichtig und deswegen muss es sie auch flächendeckend in ganz Deutschland geben. Sie dürfen dabei nicht nur auf eine reine Lotsenfunktion reduziert werden – es muss klargestellt werden, dass MZEB einen gesetzlichen Behandlungsauftrag haben. Dafür setze ich mich auf politischer Ebene ein, zum Beispiel in den aktuellen Teilhabe-Empfehlungen."

Der Bundesverband evangelische Behindertenhilfe (BeB) setzt sich seit Jahren für die Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung von Menschen mit Behinderung ein und hat insbesondere die Schaffung Medizinischer Behandlungszentren für Erwachsene mit geistiger Behinderung oder schweren Mehrfachbehinderungen gefordert und forciert. „MZEBs sollen das Regelversorgungssystem nicht ersetzen, sondern ergänzen. Sie tragen erheblich dazu bei, eine immer noch bestehende Versorgungslücke zu schließen“, sagt der BeB-Vorsitzende Mletzko. „Wir brauchen mehr MZEBs in Deutschland und auch eine Assistenz für Menschen mit Behinderung oder psychischer Erkrankungen beim Aufsuchen von allgemeinen Krankenhäusern – medizinische Versorgung muss ohne Barrieren stattfinden können.“

Für die Patientinnen und Patienten ist das unter einem Dach verortete Leistungsspektrum ein riesiger Vorteil und eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität: Die Betroffenen haben fachkundige Ärztinnen und Ärzte an ihrer Seite, die sich mit schweren körperlichen Behinderungen auskennen. Der Zugang zu den Untersuchungsräumen ist – im Gegensatz zu dem Zugang zu vielen Praxen – barrierefrei. Zudem können Patientinnen und Patienten mehrere Termine bei unterschiedlichen Fachärzten an einem Tag und Ort wahrnehmen. Bis vor kurzem waren die Betroffenen mit Vollendung des 18. Lebensjahrs in der medizinischen Versorgung noch auf sich allein gestellt.

Seit Anfang 2019 wird die Arbeit des Bruno-Valentin-Instituts zudem wissenschaftlich begleitet. Gemeinsam mit der Universität Bielefeld und dem Medizinischen Zentrum für Erwachsene mit Behinderung in Bethel erforschen Expert*innen die Entwicklung der medizinischen Versorgung durch die Einführung von MZEB-Einrichtungen. Finanziert wird die drei Jahre dauernde Begleitung in Millionen-Höhe durch den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses.

 
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