Verdeckte Gefahr an der Bauchaorta: Das Aneurysma frühzeitig entdecken

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Albert Einstein war ein berühmter Wissenschaftler, Thomas Mann ein berühmter Schriftsteller und Charles de Gaulle ein großer Staatsmann. Eine Sache haben diese prominenten Männer gemeinsam: Sie starben unerwartet plötzlich an einer geplatzten Bauchschlagader – dem Bauchaortenaneurysma. In der Regel tritt dies bei Männern ab 65 Jahren auf. Ursache für die Erkrankung, bei der sich die Aorta erweitert, ist zumeist eine Gefäßverkalkung. Platzt das Gefäß, besteht Lebensgefahr.

Das Gefährliche an dieser Krankheit ist der Umstand, dass Betroffene sie vorher meist nicht bemerken oder ihre Beschwerden auf andere Ursachen schieben. Screenings retten Leben: Fünf Minuten für eine Ultraschalluntersuchung reichen, um auf Nummer sicher zu gehen. Fünf von hundert Männern über 65 haben eine krankhafte Erweiterung der Bauchschlagader, die überwacht werden muss. Bei einem von hundert Patienten ist eine umgehende Behandlung notwendig.

Am 4. Mai lädt das Gefäßzentrum Hannover im DIAKOVERE Henriettenstift von 8 bis 13 Uhr zu dieser Vorsorgeuntersuchung ein. Das Team von Prof. Thomas Busch bietet in der chirurgischen Ambulanz des Henriettenstifts in der Marienstraße 72-90 eine schmerzlose Ultraschalluntersuchung des Bauchraums und eine umfassende Beratung zum Thema an. Das Gefäßzentrum Hannover nimmt mit diesem Angebot an einem nationalen Screening-Tag der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie (DGG) zur Diagnose und Therapie des Bauchaortenaneurysma teil.


„Sehr viel Sicherheit mit sehr geringen Mitteln“

Gefäßspezialistin Karbig über die versteckte Gefahr eines Bauchaortenaneurysmas, wie man es behandelt und warum es ganz einfach zu entdecken ist.

Svenja Karbig ist Oberärztin in der Klinik für Gefäßchirurgie im DIAKOVERE Henriettenstift und Spezialistin für Erkrankungen der Bauchaorta. Die Klinik für Gefäßchirurgie gehört zum interdisziplinären Gefäßzentrum Hannover am Henriettenstift. Es bietet am 4. Mai zwischen 8 und 13 Uhr einen Präventionstag mit Screenings der Bauchschlagader an.

Was versteht man unter einem Bauchaortenaneurysma?

Ein Bauchaortenaneurysma ist eine Aussackung der Bauchschlagader. Diese hat einen Durchmesser von etwa zwei Zentimetern. Ab einer Größe von drei Zentimetern sprechen wir von einer aneurysmatischen Ausweitung. Eine Therapieempfehlung gibt es ab einer Größe von fünf Zentimetern, weil man weiß, dass mit weiterem Wachstum die Gefahr steigt, dass ein Aneurysma platzt.

Was passiert, wenn es platzt?

In einigen Fällen kommt es zu einer so genannten gedeckten Perforationen. Das heißt, dass ein Häutchen über dem Riss das sofortige Einbluten in die Bauchhöhle verhindert. Diese Patienten kann man lebend in ein Krankenhaus einliefern. Doch selbst bei diesen Erkrankten ist die Überlebenschance, auch wenn man sie erfolgreich operiert, deutlich geringere als bei jemandem, den wir geplant operieren können. Im schlimmsten Fall blutet der Riss in die Bauchhöhle. Es entsteht in kürzester Zeit ein hoher Blutverlust, mit dem Leben nicht zu vereinbaren ist. Der Betroffene empfindet einen Zerreißungsschmerz, dann dauert es wenige Herzschläge, bis er verblutet.

Wer ist betroffen?

Ein Aneurysma trifft häufig Menschen ab 60 aufwärts. Bei jüngeren Menschen ist es sehr, sehr selten. Frauen sind deutlich seltener betroffen als Männer. Es gibt eine familiäre Disposition. Unsere Patienten berichten häufig, dass Familienmitglieder ebenfalls ein Aneurysma haben. Zusätzliche Risikofaktoren sind Zuckerkrankheit, Bluthochdruck und Nikotinabusus.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Ist eine Operation notwendig, gibt es zwei Möglichkeiten: Einen Bauchschnitt, bei dem die erkrankte Bauchschlagader durch eine künstliche Prothese ersetzt wird. Oder aber eine das schonendere Verfahren mit einer so genannten Stentprothese, die über die Leistenarterie eingeführt wird. Bei dieser Variante wird das Herz-Kreislauf-System weniger beansprucht. Es gibt Patienten, denen wir beide Methoden anbieten können. Der Betroffene entscheidet dann. Es gibt aber auch Patienten, denen wir nur die offene Operation anbieten können. Ist das Aneurysma klein und nicht operationsbedürftig, empfehlen wir, die kritischen Faktoren wie Bluthochdruck oder schwere körperliche Belastung zu beeinflussen.

Merken Patienten, dass etwas im Bauch nicht stimmt?

Ein Aneurysma kann lebensgefährliche Auswirkungen haben, verursacht dafür aber wenige oder nur sehr unspezifische Beschwerden. Patienten beschreiben manchmal Bauch- oder Rückenschmerzen – in der betreffenden Altersgruppe nicht ungewöhnlich. Viele kommen nicht auf den Gedanken, dass es sich bei den Beschwerden um ein Aneurysma handeln könnte. Dabei ist es so einfach, drauf zu schauen.

Wie funktioniert das?

Eine Sonographie mit Ultraschall dauert keine fünf Minuten. Es ist eine schonende Methode, es entsteht keine Strahlung, gibt keine Risiken. Dafür gibt es dem Menschen sehr viel Sicherheit mit sehr geringen Mitteln. Seit 2018 gibt es für gesetzlich krankenversicherte Männer ab 65 einmal die Möglichkeit zur Vorsorgeuntersuchung beim Hausarzt. Davor war es ganz häufig ein Zufallsbefund im Rahmen anderer Untersuchungen. Wir bieten im DIAKOVERE Henriettenstift – wie jedes Jahr – am 4. Mai in der Zeit von 8 bis 13 Uhr einen Präventionstag mit diesen so genannten Screenings an.

 
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