„Wir brauchen den Spirit von Anna!“: Bundeswirtschaftsminister zu Gast bei 40 Jahre Annastift Berufsbildungswerk

Veröffentlicht am: 19.05.2016 - 12:23 Uhr

DIAKOVERE-Geschäftsführer Prof. Bernd Weber, Aktivist und Moderator Raul Krauthausen, Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel, DIAKOVERE Annastift Leben und Lernen-Geschäftsführer Dr. Ulrich Spielmann und die Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen Niedersachsen Petra Wontorra ©Marcel Domeier

Das Berufsbildungswerk der DIAKOVERE Annastift Leben und Lernen feierte am Donnerstag, 19. Mai 2016 im Rahmen einer Fachtagung das 40-jährige Bestehen.

Ehrengast war Bundeswirtschaftsminister und Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD), selbst gelernter Berufspädagoge. Er würdigte das Engagement der Namensgeberin Anna von Borries, die bereits vor mehr als 100 Jahren das selbstbestimmte Leben von Menschen mit Behinderungen förderte. Im Grundgesetz sei dies allerdings erst 1948 verankert worden. „Wir brauchen den Spirit von Anna auch heute noch!“

Trotzdem machten es gesellschaftliche Normen Menschen mit Behinderungen bis heute schwer, am Leben gleichberechtigt teilzuhaben. Dieses „Normen-Korsett“ müsse man ändern, so Gabriel, anstatt daran festzuhalten und lediglich Ausgleiche für diejenigen zu schaffen, die der Norm nicht entsprächen. Eine berufliche Ausbildung sei dabei ein entscheidender Aspekt für die gesellschaftliche Teilhabe und das selbstbestimmte Leben. Mit dem geplanten Bundesteilhabegesetz wolle die Bundesregierung die berufliche Inklusion von Menschen mit Behinderungen weiter fördern und das bisherige auf Fürsorge basierende System ablösen. Die Arbeit der Berufsbildungswerke sei daher von entscheidender Bedeutung.

„Die berufliche Ausbildung ist das Herzstück der deutschen Wirtschaft “, betont Gabriel und bedauert den Trend zur zunehmenden Akademisierung der Ausbildung. Gemeinsam mit Dr. Volker Müller, Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände Niedersachsen, wolle Gabriel auf Unternehmen zugehen und sie dafür begeistern, wieder verstärkt auf das duale System der Ausbildung zu setzen und jungen Menschen mit und ohne Behinderungen die gleichen Chancen zu ermöglichen, erfolgreich ins Berufsleben zu starten. „Wirtschaftlicher Erfolg wächst mit der Vielfalt!“ Unternehmen profitierten verstärkt von einer heterogenen Mitarbeiterstruktur. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels könne man auf diese wertvollen Ressourcen nicht verzichten. Alleine durch den demografischen Wandel gingen in den nächsten Jahren fünf Millionen Arbeitskräfte verloren. Inklusion dürfe sich aber nicht einem ökonomischen Zweck unterwerfen: „Sie bleibt eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe!“, ermahnt der Bundeswirtschaftsminister.

Im DIAKOVERE Annastift Berufsbildungswerk funktioniert die Zusammenarbeit mit Unternehmen in der Region Hannover bereits erfolgreich: Seit sechs  Jahren absolvieren Auszubildende im Rahmen der verzahnten Ausbildung die Hälfte ihrer Lehrzeit in den Firmen. Gleichzeitig profitieren Lernende mit zusätzlichem Unterstützungsbedarf von den Angeboten des Berufsbildungswerkes. Ärzte, Ausbildungsbegleiter, Ergotherapeuten, Erzieher, Heilerziehungs-pfleger und Krankenpfleger ergänzen den Ausbildungsbetrieb.

Seit der Gründung im Jahr 1976 konnten etwa 4400 junge Leute ihre Ausbildung erfolgreich abschließen. Die meisten von ihnen fanden als Fachkräfte anschließend ihre Arbeitsplätze.

Die Feierlichkeiten finden im Rahmen einer Fachtagung statt, in der die Arbeit des Berufsbildungswerks mit der Fachkräfteentwicklung in Beziehung gesetzt wird und die aufzeigt, welche Rolle das Berufsbildungswerk dabei zukünftig spielen kann und soll.

Moderator und Aktivist Raul Krauthausen im Gespräch mit Sigmar Gabriel über das geplante Bundesteilhabegesetz ©Marcel Domeier
Bundeswirtschaftsminister Gabriel: "Inklusion bleibt eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe!" ©Marcel Domeier
Podiumsdiskussion ©Marcel Domeier
 
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