„Operation Zukunft“ macht deutliche Fortschritte: Diakonische Dienste Hannover blicken zuversichtlich nach vorn

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Der Gesundheits- und Sozialkonzern Diakonische Dienste Hannover (DDH) stellt sich mit der Neustrukturierung medizinischer Kompetenz und optimaler Ressourcennutzung neu und zukunftsfähig auf.

Niedersachsens größter Diakonischer Dienstgeber mit 4300 Mitarbeitenden setzt dabei auf die erfolgreiche Fortführung des vor einem Jahr eingeleiteten Erneuerungs- und Verschlankungsprozesses. Dieser entwickelt sich nach Angaben von Geschäftsführer Prof. Bernd Weber nach einer schwierigen Startphase im Frühsommer 2014 nunmehr positiv. Auf dem Weg zur nachhaltigen wirtschaftlichen Stabilität macht das Unternehmen trotz weiterhin nicht auskömm--licher Refinanzierung von Dienstleistungen im Krankenhaus- und Altenhilfebereich deutliche Fortschritte, betonte er am Dienstag bei der Jahrespressekonferenz der DDH.

Für 2015 rechnet das Unternehmen bereits mit einem besseren Ergebnis als der in der Planung noch ausgewiesene Negativbetrag von 3,0 Mio. €. Für 2016 sei bereits die „schwarze Null“ das ehrgeizige Ziel als Grundlage für notwendige Investitionen ab 2019 ein jährliches Ergebnis von mindestens zwei Prozent des jährlichen Gesamt-umsatzes. Der liegt derzeit bei 330 Mio. €. In den zurückliegenden Geschäftsjahren beklagte das Unternehmen mehrheitlich Verluste, zuletzt in 2014 ein Minusbetrag von 2,63 Mio. €.

Kern der „Operation Zukunft“ ist die organisatorische und rechtliche Fusion der großen traditionsreichen Diakoniekrankenhäuser Annastift, Friederikenstift und Henriettenstift. Damit einher geht eine Medizin-strategie, die eine Konzentration auf die drei Stammhäuser in Klee-feld, der Marienstraße und der Humboldtstraße sowie die Zusammen-führung verwandter medizinischer Angebote zu konzernweiten Zentrumsbildungen vorsieht.

„Diese Zukunftsstrategie ist die Grundlage für ein gesundes wirtschaftliches und investitionsfähiges Sozialunternehmen“, bekräftigt Prof. Weber. Bei der Vorstellung des Konzepts im Sozialministerium habe man breite Zustimmung erhalten. „Nicht zuletzt deshalb, weil wir entbehrliche Mehrfachstrukturen abbauen und damit eine weitere Verbesserung der Qualität und der medizinischen Versorgung erreichen.“ Auch die Ausrichtung des DDH-Konzepts über die eigenen Krankenhäuser hinaus auf die Not-wendigkeiten verlässlicher Versorgungsstrukturen in der Region Hannover habe man sehr begrüßt. Besondere Erwähnung fanden in diesem Zusammenhang unternehmensübergreifende Partnerschaften der DDH wie zum Beispiel die Kooperation mit dem Kinderkranken-haus auf der Bult für das geplante neue zukunftsweisende Mutter-Kind-Zentrum mit angeschlossenem Perinatalzentrum.

Die Integration und Verdichtung der medizinischen Angebote von sechs Standorten auf drei Krankenhauszentren ist ein zentrales Element der Medizinstrategie. Bis zum Jahr 2020 werde man deshalb schrittweise die derzeitigen Angebote aus dem Lister Krankenhaus, der ehemaligen Unfallklinik in der Marienstraße und vom Standort Kirchrode verlagern. Umfangreiche Baumaßnahmen und damit einhergehend auch der Einsatz von Fördermitteln werden notwendig. Das Ziel der Neuausrichtung ist eine künftig noch bessere Behandlungsmöglichkeit für Patienten in interdisziplinären Fachzentren.

Zur wirtschaftlichen Gesundung trägt auch eine durchgängige organisatorische Verschlankung des Konzerns bei. So haben sich die drei Stifte zu einer Trägergemeinschaft zusammengeschlossen, die personenidentisch in Aufsichtsgremien und Geschäftsführung besetzt ist. Im Gegensatz zu früher ist das komplette Immobilienmanagement dem Konzern zugeordnet.

Die Zusammenführung der Krankenhäuser von Friederikenstift und Henriettenstift wurde bereits am 1. Januar 2015 eingeleitet. Operativ ist sie in vollem Gang, juristisch wird sie zum 1. Januar 2016 vollzogen. Bis 2017 wird auch das Annastift inklusive Fachschulzentrum Gesundheitsberufe integriert. Geleitet wird das diakonische Großkrankenhaus von Mathias Winkelhake (vorher Geschäftsführer Friederikenstift) und Dr. Arne Nilsson (vorher Geschäftsführer Zentrale Dienste und Controlling). Beide sind auch Prokuristen der DDH. Die Fusion der Krankenhäuser führt nach Angaben der DDH zu einer spürbaren Verschlankung der Führungsstrukturen.

„Aufgrund der wirtschaftlichen Situation und der Investitions-notwendigkeiten steht, wie bereits mehrfach berichtet, bis 2018 der Abbau des Personalüberhangs von bis zu 160 Vollkräften an. Dies ist durch eine verbesserte Organisation, Standortkonzentration, Abbau von Doppelstrukturen und Einsparungen im Sekundärbereich möglich. „Nur bei nachhaltigem wirtschaftlichem Erfolg lässt sich auf Dauer eine gute Medizin gestalten “ so Prof. Weber. „In jedem Fall gibt es eine Dienstvereinbarung mit der Mitarbeitervertretung, dass wir die notwendige Personalanpassung ohne betriebsbedingte Kündigungen hinbekommen.“ Durch die natürliche Fluktuation wird diese Vorgabe gelingen.

Weitere umfangreiche Sanierungsmaßnahmen führen zu spürbaren finanziellen Entlastungen. Das in einer internen Steuerungsgruppe zusammengefasste Sanierungspaket umfasst rund 50 Einzel-maßnahmen und ein jährliches Einsparvolumen von bis zu 7 Mio. €. Es reicht dabei von einer Veränderung des Energiemanagements über eine optimierte Einkaufspolitik bei Medizinprodukten bis zur Reorganisation von Sekundärdiensten wie Reinigung.

Zusätzliche Schwerpunkte neben dem Krankenhausbereich sind die Altenhilfe, die Betreuung von Menschen mit Behinderung, ein großer Bildungsbereich mit eigener Akademie und einem Fachschulzentrum mit 700 Studierenden und Auszubildenden. Auch in diesen Geschäftsfeldern werde man sich weiter entwickeln und neuen strategischen Partnerschaften öffnen. So wird das Areal von Annastift Leben und Lernen mit dem inklusiven Wohnviertel „Vitalquartier Seelhorst“ überplant und eine strategische Partnerschaft mit der Dachstiftung Diakonie (in Hannover Einrichtungen des Stephansstift) aufgebaut. Erste Kooperationsprojekte in der Altenhilfe und weiteren Hilfefeldern sind initiiert.

Der Aufsichtsrat der DDH, der diesen Veränderungsprozess vor einem Jahr neu ausrichtete und eng begleitet, zeigt sich sehr zufrieden über das bisher Erreichte. Vor 15 Monaten übernahm Dr. Hans Ulrich Anke den Vorsitz des Kontrollgremiums. Unter der Leitung des Juristen und Präsidenten des Kirchenamtes der Evangelischen Kirche Deutschland berief der Aufsichtsrat vor einem Jahr den erfahrenen Diakonie- Manager Prof. Bernd Weber an die Spitze des Konzerns. Vorrangiges Ziel bleibt die Sicherung der Zukunftsfähigkeit. „Das Unternehmen ist auf einem gutem Weg, aber wir sind noch nicht durch“, betonte Dr. Anke in der Pressekonferenz. Trotz der abzusehenden wirtschaftlichen Erholung bleibe eine vorübergehende Unterstützung, auch von außen, notwendig. „Krankenhäuser in kommunaler oder staatlicher Trägerschaft können Investitionsstaus und auch laufende Defizite aus Steuergeldern abfangen. Diese Möglichkeit besteht für einen frei gemeinnütziger Träger wie die DDH nicht.“ Aber, so Anke weiter, die DDH werde sich aus eigener Kraft zukunftsfähig aufstellen, damit die notwendigen Mittel nach dem Veränderungsprozess wieder selbst erwirtschaftet werden können.

Unterstützung erhielt das Unternehmen bereits durch einen Beitrag der Trägerstifte. Weitere projektbezogene Unterstützungen laufen noch, ebenso Gespräche mit dem Land zur investiven Förderung wesentlicher Strukturmaßnahmen.

Zur DDH zählen neben den Krankenhäusern Annastift, Friederikenstift und Henriettenstift noch neun weitere Einrichtungen in den Hilfefeldern Krankenpflege, Altenhilfe, Betreuung von Menschen mit Behinderung, Hospiz und Bildung. In allen Einrichtungen der DDH arbeiten insgesamt 4300 Menschen. Hinzu kommt das Engagement von 400 Ehrenamtlichen. Der Jahresumsatz beläuft sich auf 330 Mio. €. Damit ist die DDH größter diakonischer Dienstleister in Niedersachsen und zählt zu den zehn größten diakonischen Einrichtungen in Deutschland.

 
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