Orthopädie im Annastift

Staatssekretärin Kerstin Griese zu Besuch im MZEB des DIAKOVERE Annastifts

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v.l.n.r.: Alissa Kiesel, Fabian Kiesel (sitzend), Susanne Kiesel, Kerstin Griese, Petra Rathfelder (sitzend) Pastor Uwe Mletzko, Stefan David, Frauke Mendez Escoto, Prof. Stephan Martin, Udo Rathfelder

Kerstin Griese, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, hat diese Woche das Bruno-Valentin-Institut des DIAKOVERE Annastifts in Hannover besucht. Auf Einladung von Pastor Uwe Mletzko, Vorsitzender des Bundesverbandes evangelische Behindertenhilfe e.V. (BeB) und Geschäftsführer der DIAKOVERE gGmbH, informierte sie sich in einem der bundesweit ersten Medizinischen Zentren für Erwachsene mit Behinderung (MZEB) umfassend über die Arbeit der diakonischen Einrichtung.

Das Bruno-Valentin-Institut hatte im Mai 2017 mit rund 150 Patienten zunächst im Probebetrieb seine Arbeit aufgenommen und läuft seit Februar 2019 im Regelbetrieb. Es wurde eine für beide Seiten sehr zufriedenstellende Einigung erzielt – nach zwölf Verhandlungsrunden mit den Krankenkassen, zwei Schiedsstellenverfahren und dreieinhalb Jahre nach der ersten Antragstellung bei der Kassenärztlichen Vereinigung in Niedersachsen. Seitdem wächst das MZEB stetig. Die Spezialisten für schwere körperliche Mehrfachbehinderungen bieten umfassende ambulante medizinische Versorgung durch fünf Fachärzte, Psychologen, ein Casemanagement, Kontinenzberatung, Ergo- und Physiotherapie sowie Sozialberatung an – interdisziplinäre Leistungen aus einem Guss. Inzwischen profitieren mehr als 1.500 Betroffene und ihre Angehörigen von den Angeboten des Bruno-Valentin-Instituts.

Staatssekretärin Griese wollte bei ihrem Besuch die persönliche Seite der Betroffenen hören, aber natürlich auch erfahren, wie die DIAKOVERE gGmbH das MZEB weiterentwickeln will, wo kritische Punkte und gesetzliche Handlungsbedarfe liegen: „Es ist offensichtlich, wie wichtig die Behandlung unter einem Dach für ein selbstbestimmtes und würdevolles Leben der Patientinnen und Patienten ist“, sagte Griese, die sich von der interdisziplinären und guten Zusammenarbeit des Teams im Bruno-Valentin-Instituts begeistert zeigte. „Die Bedarfe sind offensichtlich. Ein solches Angebot ist ein wichtiger Schritt zur Inklusion. Das Gespräch mit den Patientinnen und Patienten hat mir gezeigt, wie sich ihre persönliche und gesundheitliche Situation durch dieses vorbildliche Angebot verbessert hat.“

Der BeB setzt sich seit Jahren für die Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung von Menschen mit Behinderung ein und hat insbesondere die Schaffung Medizinischer Behandlungszentren für Erwachsene mit geistiger Behinderung oder schweren Mehrfachbehinderungen gefordert und forciert. „MZEBs sollen das Regelversorgungssystem nicht ersetzen, sondern ergänzen. Sie tragen dazu bei, eine wichtige Versorgungslücke zu schließen“, sagt der BeB-Vorsitzende Mletzko. „Wir brauchen mehr MZEBs in Deutschland und auch eine Assistenz für Menschen mit Behinderung oder psychischer Erkrankungen beim Aufsuchen von allgemeinen Krankenhäusern.“

Für die Patientinnen und Patienten ist das unter einem Dach verortete Leistungsspektrum ein riesiger Vorteil und eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität: Die Betroffenen haben fachkundige Ärztinnen und Ärzte an ihrer Seite, die sich mit schweren körperlichen Behinderungen auskennen. Der Zugang zu den Untersuchungsräumen ist – im Gegensatz zu dem Zugang zu vielen Praxen – barrierefrei. Zudem können Patientinnen und Patienten mehrere Termine bei unterschiedlichen Fachärzten an einem Tag und Ort wahrnehmen. Bis vor kurzem waren die Betroffenen mit Vollendung des 18. Lebensjahrs in der medizinischen Versorgung noch auf sich allein gestellt.

Seit 2019 wird die Arbeit des Bruno-Valentin-Instituts zudem wissenschaftlich begleitet. Gemeinsam mit der Universität Bielefeld und dem Medizinischen Zentrum für Erwachsene mit Behinderung in Bethel erforschen Expert*innen seit Jahresbeginn die Entwicklung der medizinischen Versorgung durch die Einführung von MZEB-Einrichtungen. Finanziert wird die drei Jahre dauernde Begleitung in Millionen-Höhe durch den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses.

 
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