Erkrankungen des Vorfußes

Hallux valgus - Ballenzeh, Schiefzeh

Der Hallux valgus, im Volksmund „Ballenzehe“ oder „Schiefzehe“ genannt, ist eine Fehlstellung der Großzehe mit einem Abweichen der Zehe nach außen (Abb. 1). Begleitet wird die Fehlstellung von einem „Ballen“ auf Höhe des Grundgelenkes (Pseudoexostose, Abb. 2). Diese Pseudoexostose kann gerötet und schmerzhaft sein.

Die Hallux-valgus-Fehlstellung ist die häufigste Fehlstellung im Bereich des Vorfußes. Frauen sind im Verhältnis zu Männern fast viermal häufiger betroffen. Die Diagnostik der Hallux-valgus-Fehlstellung basiert auf einer klinischen und radiologischen Untersuchung. Insbesondere die Anfertigung von Röntgenbildern des Fußes im Stand in zwei Ebenen ist zur Einteilung des Schweregrades und der weiteren Therapieplanung in der Orthopädischen Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover im Annastift von Bedeutung (Abb. 3).


Abb. 1: Hallux-valgus-Deformität. Entscheidend beim Hallux valgus ist nicht nur die Zehendeformität, sondern auch die Mittelfußdeformität.
Abb. 2: Schematische Darstellung eines geröteten schmerzhaften Ballens am Großzehengrundgelenk (Pseudoexostose).

Konservative Therapie

Vor einer jeden Operation raten wir zur Ausschöpfung aller konservativen (nicht-operativen) Therapiemöglichkeiten. Hierfür kommen vor allem Hallux-valgus-Schienen und Einlagen zur Anwendung. Sollte hierdurch jedoch keine Linderung der Beschwerden erreicht werden, ist es sinnvoll, die Möglichkeit einer operativen Therapie abzuklären.


Operative Therapie

Die Wahl der Operationstechnik richtet sich nach der Ausprägung der Deformität. Die Hallux-valgus-Fehlstellung beinhaltet sowohl eine knöcherne als auch eine weichteilige Fehlstellung. Sowohl die knöcherne als auch die Muskelfehlstellung müssen korrigiert werden.

Bei geringgradigen Fehlstellungen wird zur Korrektur der knöchernen Komponente der erste Mittelfußknochen durchtrennt (Chevron-Osteotomie (Abb. 4), Scarf- und Basisosteotomie) und in der Korrekturstellung mittels einer Schraube oder winkelstabilen Platte fixiert. Die Stelle der knöchernen Korrektur im Mittefußknochen ist abhängig vom Ausmaß der Deformität und wird durch das Ausmessen der Röntgenbilder vor der Operation festgelegt. Zusätzlich erfolgt eine Korrektur der Weichteilkomponente (Weichteilbalancing) im Sinne einer Reorientierung der Sehnen.


Röntgenbild Fuß mit Hallux Valgus
Abb. 3
Röntgenbild Fuß mit Hallux Valgus nach OP
Abb. 4
Röntgenbild Fuß mit Hallux Valgus nach OP
Abb. 5

Eine Typische Hallux-valgus-Deformität ist auf dem linken Röntgenbild (Abb. 3) zu sehen. Der Abstand zwischen dem ersten und zweiten Mittelfußknochen zeigt die Dysbalance der Zehe mit einer Abweichung nach außen (Valgus-Position). Hierdurch kommt es zu einem Vorsprung am Fußinnenrand (Ballen).

Durch eine Verschiebung des Köpfchens des 1. Mittelfußknochens ist der große Zeh wieder balanciert (Abb. 4). Das verschobene Knochenköpfchen wird mit einer Schraube aus Magnesium in Position gehalten. Da Magnesium die Röntgenstrahlen weniger abschirmt als Stahl- oder Titanschrauben, sieht man hier von der Schraube lediglich die Umrisse.

Nach einem halben Jahr zeigt sich die stabilisierte gerade Stellung der Zehe. Der durchtrennte Knochen ist geheilt. Die Schraube hat sich soweit aufgelöst, dass sie nicht mehr erkennbar ist und der Schraubenkanal bereits mit dem Zuwachsen begonnen hat (Abb. 5).


Nachbehandlung

Bei diesen Operationen muss nach dem operativen Eingriff für sechs Wochen ein Verbandsschuh getragen werden. In diesem Verbandschuh kann der Fuß voll belastet werden. Ein Gehen an Unterarmgehstützen ist nicht notwendig. Während dieser Zeit sollten regelmäßige krankengymnastische Übungen und Lymphdrainagenbehandlungen durchgeführt werden.

Sechs Wochen nach der Operation erfolgt eine abschließende Röntgenkontrolle und es kann wieder normales Schuhwerk getragen werden. Zur Unterstützung der Korrektur sollte der Patient nachts eine Hallux-valgus-Schiene für mindestens drei Monate tragen. Nicht selten kann es zu einer Irritation durch die eingebrachten Implantate kommen. Die eingebrachte Schraube oder Platte sollte jedoch nach Möglichkeit bis zu einem Jahr belassen werden, bevor sie im Rahmen eines ambulanten Eingriffs entfernt werden kann.


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