Ärzteteam Orthopädie im Annastift

Schleimbeutelentzündung / (Teil-)Abriss der Glutealmuskulatur

Eine Schleimbeutelentzündung (auch Bursitis genannt) tritt in besonders bei stark beanspruchten Gelenken (z.B. Schulter, Ellenbogen, Knie, Hüfte) auf. Sie kann durch Dauerreizungen, Überbelastungen, Verletzungen oder Infektionen entstehen. Erkrankungen wie z.B. Arthrose, Arthritis oder Gicht können das Risiko für eine Bursitis erhöhen.

Häufig macht sich die Entzündung zu Beginn als ein leichtes Reibungsgefühl bemerkbar. Mit der Zeit können allerdings Symptome wie Überwärmung, Brennen, Rötungen und Schwellungen bis hin zu starken Schmerzen auftreten.

1) Wirbelsäule; 2) Becken; 3) Kreuzbein; 4) Hüftpfanne ; 5) Knorpelschicht und Gelenkflüssigkeit; 6) Oberschenkelhals; 7) Oberschenkelknochen; 8) Schleimbeutel (kann entzündet sein); 9) Muskeln

Eine Schleimbeutelentzündung behandeln

Eine Schleimbeutelentzündung heilt normalerweise innerhalb weniger Wochen von selbst aus. Kühlende Salben/Gels oder Kühlakkus (diese ohne direkten Hautkontakt!) können zur Linderung der Schmerzen beitragen. Wärmebehandlungen sollten vermieden werden.

Empfehlenswert ist es, das betroffene Gelenk durch einen Verband oder eine Schiene für eine Weile ruhig zu stellen, damit die Entzündung ausheilen kann. Allerdings ist es ratsam, das Gelenk nach einer kurzen Ruhephase vorsichtig und langsam ohne Belastung wieder zu bewegen.

Der Arzt kann die Gabe entzündungshemmender Mittel (akute Bursitis) sowie die Mobilisation nach der Ruhephase unter physiotherapeutischer Anleitung veranlassen.

Heilt die Schleimbeutelentzündung nicht aus (chronische Bursitis), kann es erforderlich sein, den Schleimbeutel operativ zu entfernen.

Schleimbeutelreizung an der Hüfte (Bursitis trochanterica)

Typischerweise finden sich Druckschmerzen über dem großen Rollhügel (Trochanter major) und beim Liegen auf der betroffenen Seite. Häufig sind die Schmerzen unspezifisch und über einen langen Zeitraum. Bei der Erkrankung handelt es sich eher um eine Sehnenansatzreizung (Tendinose) der Glutealsehnen als um eine Flüssigkeitsansammlung.

Der Goldstandard in der Diagnostik besteht in der Sonografie mit Nachweis von vermehrter Flüssigkeitsansammlung und gegebenenfalls Auftreibung des Schleimbeutels über dem großen Rollhügel (Bursa trochanterica). Ein MRT sollte dem immer folgen, um die Mitbeteilung der Glutealsehnen zu beurteilen und gegebenenfalls Rupturen oder Teilrupturen auszuschließen.

Das Problem im klinischen Alltag liegt in der Unterschätzung dieser Pathologie. 58 % der niedergelassenen Orthopäden wissen nicht, dass bei Vorliegen einer chronischen Bursitis trochanterica, eine Sehnenläsion der Hüftabduktoren existieren kann. Die Einteilung erfolgt nach Thomas in drei Grade und beinhaltet eine Kombination aus klinischer Untersuchung und MRT-Ergebnis.

42-jährige Patientin nach einem Jahr konservativer Therapie mit Kortisoninfiltrationen, Stoßwellentherapie und Querfriktionsmassagen. OP-Indiktion zur Bursektomie und Refixation mit Nahtankern, um einen Abriss der Sehne zu verhindern a) Präoperatives MRT (T2-Wichtung, coronale Schicht) mit Bursitis trochanterica und beginnender Affektion des Ansatzes des M. gluteus medius (Grad Thomas 2). b) 2 Jahre postoperatives MRT (T2-Wichtung, coronale Schicht) mit restitutio ad itegrum.

Die Therapie der chronischen Bursitis trochanterica und der Sehnenaffektion Grad 1 nach Thomas beinhaltet diverse physikalische und manuelle Therapien, wie Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), Eis, Gewichtsreduktion, Physiotherapie, Stretching, Kräftigung und Aktivitätsmodifikationen. In unterschiedlichsten Kombinationen liegen die Erfolgsraten zwischen 40–83 %. Kortikosteroidinjektionen (meist mit einem Lokalanästhetikum als Trägersubstanz) zeigten mit oder ohne begleitende multimodale physiotherapeutische Behandlung eine Erfolgsquote von 49–100 %, mit etwa 60 % beschwerdefreien Patienten nach 6 Monaten.

Bleibt der konservative Therapieerfolg aus, sollte eine offene oder arthroskopische Bursektomie erfolgen. Bei chronischen, therapieresistenten Bursitiden oder bei Sehnenbeteiligungen Grad 1 nach Thomas besteht die Gefahr der weiteren Schwächung der Sehne und des Übergangs in Grad 2 oder Grad 3 mit fettiger Verschleißveränderung der Sehnen der Hüftabduktoren bis hin zum kompletten Abriss.

Bei kernspintomografisch gesichertem Teil- oder Komplettabriss ist die operative Therapie indiziert. Diese kann offen oder arthroskopisch mit Sehnenrefixation mittels Nahtankern erfolgen (siehe Abbildung).

Das Thema "Schleimbeutelentzündung" in NDR-VISITE

Unsere Spezialisten haben dem NDR Fernsehen Rede und Antwort zum Thema "Schleimbeutelentzündung" gehalten. Die Beiträge in der NDR Mediathek haben wir hier für Sie verlinkt. Mit einem Klick auf Überschrift oder Bild gelangen Sie zur jeweiligen Sendungsseite des NDRs.

Screenshot NDR Radio Visite

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