Wissenswertes über die Skoliose


Definition

Die Skoliose ist eine komplexe dreidimensionale Deformität der Wirbelsäule, die strukturelle Veränderungen in den drei Ebenen der Wirbelsäule (Frontal-, Sagittal- und Transversalebene) nach sich zieht und in allen Wirbelsäulensegmenten auftreten kann.

In der Frontalebene kann es zu einer seitlichen Verbiegung der Wirbelsäule mit Deformierung der Wirbelkörper kommen.

In der Transversalebene können die Wirbel um die eigene Achse im Scheitelbereich rotieren. Es kann auch zur Torsion (Verdrehung) der Wirbelsäule in betroffenen Abschnitten kommen.

In der Sagittalebene können Veränderungen der natürlichen Krümmungen der Wirbelsäule auftreten. Dabei unterscheidet man die Bereiche in denen sich die Wirbelsäule nach vorne bzw. nach hinten neigt, die sog. Lordose bzw. Kyphose. Durch die Verdrehung können ein Rippenbuckel sowie ein Rippental entstehen. Die seitliche Verbiegung der Wirbelsäule ist weder aktiv noch passiv komplett ausgleichbar.

Formen der Skoilose
Man unterscheidet zwei Formen der Skoliose, die strukturelle und die funktionelle Skoliose. Die strukturelle Skoliose weißt Deformationen und Rotationen der Wirbelkörper auf. Die funktionelle Skoliose wird bei Haltungsschäden, bei Beinlängendifferenzen diagnostiziert.


Einteilung

80% bis 90% der Skoliosen sind „idiopathisch“, d.h. die Erforschung der Krankheitsursache ist bislang leider erfolglos geblieben. Dabei findet eine Einteilung in Untergruppen je nach Alter des ersten Auftretens statt:

  • Infantile idiopathische Skoliose (Erstmanifestation der Skoliose bis zum 3. Lebensjahr, hohe Spontanheilungsquote, 0,5%)

  • Juvenile idiopathische Skoliose (Erstmanifestation zwischen dem 3. bis 10. Lebensjahr)

  • Adoleszente idiopathische Skoliose (Erstmanifestation zwischen dem 10. Lebensjahr und dem Abschluss des Wachstums 89%)

  • Kongenitale (angeborene) Skoliose

  • Neuromuskuläre Skoliose, d.h. die Verbiegung der Wirbelsäule entsteht unter der Last der Schwerkraft, weil die Muskulatur nicht die nötige Gegenkraft aufbringen kann


Epidemiologie

Die Skoliose weißt eine starke Schwankung bei der Angabe in der Literatur, u.a. aufgrund unterschiedlicher Definitionen, auf. Dabei besteht Uneinigkeit ab welchen Kriterien eine Skoliose vorliegt. Die Angaben schwanken zwischen 0,1% und 15%. Im Durchschnitt wird eine Häufigkeit von 4% angenommen. In Deutschland sind ca. 400.000 Menschen betroffen. Dabei sind 90% aller Skoliosen idiopathisch, d.h. die Erforschung der Ursachen der Krankheit ist bislang erfolglos geblieben.


Historie

Das Auftreten von Skoliose und die Behandlung von Wirbelsäulenerkrankungen reichen zurück bis in die Antike. Oribasius, ein griechischer Arzt aus Pergamon, verfasste darüber eine Medizinische Sammlung. Auf Wilhelm Fabry (1560–1634), ein deutscher Wundarzt, geht die erste Darstellung einer skoliotischen Wirbelsäule in seinem Werk „Der Abriss des Rückgrads“ zurück.


Diagnostik

Eine Diagnose einer Skoliose wird primär durch klinische Untersuchungen festgestellt. Dabei spielt die Messung von Körpergröße und -gewicht für die Verlaufsbeobachtung eine wichtige Rolle. Kriterien die bei einer Diagnose betrachtet werden sind z.B. die Rumpfsymmetrie, die Haltung des Kopfes, die Stellung des Beckens usw. Die radiologische Diagnostik erfordert dabei standardisierte Aufnahmen im Stehen (d.h. unter Belastung) in zwei Ebenen, um anhand eines Vergleichs das Fortschreiten der Krankheit besser abschätzen zu können. Es wird der bestehende Krümmungs- und Rotationsgrad der Skoliose erfasst und eine Beurteilung über das noch anstehende Wachstum erarbeitet.


 
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