Behandlungspfade

Protheseninfektionen

Stellt sich im Bereich der operierten Extremität eine infektiöse Situation ein, so ist ein rasches operatives Handeln erforderlich, um ein Fortschreiten der Infektion mit u.U. dann drohendem Verlust des Gelenks bzw. der Extremität zuvorzukommen. Zunächst wird das mit Bakterien besiedelte Fremdmaterial (Prothese oder Marknagel) entfernt und ein radikales Debridement des infizierten Knochens und der umgebenden Weichteile durchgeführt. An die Stelle des im Bild oben entfernten Hüftkopfes wurde ein so genannter Spacer aus antibiotikahaltigem Zement im Sinne einer Intervallprothese, eingebracht. Dieser ermöglicht zwar nicht die volle Belastung des betroffenen Beines, kann aber die physiologische Beinlänge und Beweglichkeit des Gelenkes erhalten. In Abhängigkeit von Klinik und Paraklinik sind gegebenenfalls weitere Operationen zur Entfernung von abgestorbenem und kontaminiertem Gewebes nötig. Wenn nach einem infektfreien Intervall von mindestens 6 Wochen, sich in der anschließenden mikrobiologischen Untersuchung keine Bakterien mehr nachweisen lassen, kann die Rekonstruktion des Gelenks angestrebt werden. Ist eine sicher infektfreie Situation erreicht, erfolgt die Wiederherstellung der Funktionalität durch die Implantation einer Hüftgelenks-Sonderprothese.

Durch ein situationsgerechtes operatives Stufenkonzept bei Protheseninfektionen lassen sich unter Beibehaltung der Funktionalität Infektzustände beherrschen.

Abitzsch, D. J. 2019


Akute und chronisch Osteitis

Definition

Als Frühinfekt bezeichnet man die bakterielle Infektion des Knochens, des Implantatlagers und der Weichgewebe innerhalb von 4 Wochen nach Trauma oder operativer Frakturversorgung. Später manifest werdende Infektionen gelten als Spätinfekt. Zu unterscheiden sind hiervon akute und chronische Verlaufsformen bei der die Dauer der Infektion von Bedeutung ist.

Behandlungsphasen

1. Phase - Infektsanierung:
In der ersten Phase steht die Infektsanierung im Vordergrund. Der Eingriff beginnt mit einem radikalem Knochen- und Weichteildébridement. Gegenbenenfalls erfolgt der Wechsel des einliegenden Implantates. Bei chronischen Infekten muss grundsätzlich sämtliches Fremdmaterial aufgegeben werden

2. Phase - Deckung des Weichteildefektes:
Ohne eine qualitativ und quantitativ ausreichende Haut-/Weichteildeckung über dem sanierten knöchernen Areal lässt sich dauerhaft keine rezidivfreie Ausheilung erzielen. Das von uns propagierte, phasengegliederte Behandlungskonzept erfordert eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Unfallchirurgie und plastischer Chirurgie.

3. Phase - Rekonstruktion des Knochendefektes:
In der 3. Phase erfolgt die knöcherne Rekonstruktion, frühestens jedoch nach einem infektfreien Intervall von 6 Wochen. Ergibt das anschließend durchgeführte Re-Staging ein mikrobiologisch negatives Ergebnis, erfolgt der Defektaufbau.

 

Abitzsch, D. J. 2019
 


Gelenkinfektionen

Definition

Unter einer Gelenkinfektion versteht man die posttraumatische/ postoperative oder die hämatogen, lymphogen oder per continuitatem entstandene bakterielle oder mykotische Infektion von anatomischen Gelenken, welche unbehandelt zur Zerstörung des Gelenkes führt. Pilzbedingte Gelenkinfektionen sind nur bei immungeschwächten Personen bekannt.

Die Grenzen zwischen akuter und chronischer Gelenkinfektion werden in der Literatur unterschiedlich definiert: Aktuell gehen wir von einem Zeitintervall von 1 Woche aus. 
 

Einteilung der Gelenkinfekionen nach Gächter (2000)

Stadium I:

SynovialsishyperämieGelenkerguß,
Rötung der Synovialmembran,
möglich petechiale Blutungen,
keine radiologische Veränderungen


      
 

Stadium II:

Synovialhypertrophie

eitriger Erguß mit Fibrinablagerungen,
keine radiologische Veränderungen

Stadium III:

Synopvialschwamm

Verdickung der Synovialmembran,
beginnender Knorpelschädigung,
radiologische Veränderungen selten

 

Stadium IV:

Synovialismalignität

aggressive Pannusbildung,
erheblicher Knorpelschädigung
subchondrale Osteolysen,
knöcherne Erosionen und Zysten

 

Behandlung

Die akute Gelenkinfektion ist ein dringlicher chirurgischer Notfall. Beim Frühinfekt, Stadium I und II, erfolgt am Kniegelenk, oberen Sprunggelenk und Schultergelenk die arthroskopische, programmierte Revision im 3-5-tägigen Abstand. Werden nach der dritten arthroskopischen Gelenkrevision immer noch Keime nachgewiesen erfolgt die offene Gelenkrevision.
Spätinfekte, ab Stadium III, und Infektrezidive werden primär offen behandelt. Es erfolgt die Arthrotomie des Gelenkes mit offener Synovektomie, Spülung und Installation eines lokalen Anibiotikas. Auch hier werden die programmierten Revisionen aller 3-5 Tage durchgeführt. Geling es nach drei offenen Revisionen nicht, den Infekt zu sanieren müssen die Knorpelflächen der Gelenke komplett reseziert werden.


Abitzsch, D. J. 2019
 

 
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