Prostatakarzinom

Radikale Prostatektomie

Die Radikaloperation der Prostata ist die Standardbehandlung des lokalisierten Prostatakarzinoms mit den größten Erfahrungen über den Langzeitverlauf der so behandelten Patienten. Bezüglich der Wahrscheinlichkeit einer Heilung wird sie von keiner anderen Therapieoption übertroffen. Bei organbegrenztem Tumor liegt die Wahrscheinlichkeit der dauerhaften Heilung nach radikaler Prostatektomie bei etwa 90 %. Durch ständige Perfektionierung der Operationstechnik ist dieser Eingriff heute zu einer wenig belastenden Operation geworden.

Die früher als Nebenwirkung gefürchtete Inkontinenz tritt heute - wenn überhaupt - meist nur noch in den ersten Wochen nach der Operation und in oft nur geringem Maße auf, bildet sich aber bei etwa 90 % der Patienten wieder vollständig zurück. Bei fortgeschrittenen und aggressiveren Tumoren ist eine Entnahme aller Lymphknoten in der nähe der Prostata notwendig, bei frühen Tumoren aber unnötig. Wir entnehmen daher die Lymphknoten nur dann, wenn ein signifikantes Risiko einer Lymphknotenmetastasierung besteht. Dies ermitteln wir anhand eines von uns entwickelten und validierten Vorhersagealgorithmus (Literatur hierzu: Conrad et al., J. Urol. 1998 Conrad et al., J. Urol 2002)

Nerverhaltende (potenzschonende) radikale Prostatektomie

Nerverhaltende radikale Prostatektomie. Die von der Prostata mobilisierten Gefäß-Nervenbündel sind mit gelben Pfeilen markiert.

Früher war die radikale Prostatektomie fast unweigerlich mit dem Verlust der Erektionsfähigkeit verbunden. Es ist das Verdienst des amerikanischen Urologen Dr. Patrick Walsh, eine Operationstechnik zum Erhalt der Gefäßnervenstränge, welche die Erektion steuern und die sehr dicht an beiden Seiten der Prostata verlaufen, entwickelt zu haben. Durch eine nerverhaltende Operationstechnik gelingt es in vielen Fällen, die Erektionsfähigkeit und damit die Potenz der Patienten nach radikaler Prostatektomie zu erhalten.

Wir wenden in der Urologischen Klinik des Friederikenstifts die von Prof. Dr. H. Huland an der Klinik für Urologie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, der Ausbildungsklinik des Chefarztes Privatdozent Dr. S. Conrad, an vielen tausend Patienten perfektionierte Technik der Nerverhaltung an. Dabei führen wir zur extrem schonenden Behandlung der Nervenstränge den Eingriff mit der Lupenbrille bei 3,5-facher Vergrößerung durch. Blutende Gefäße werden ausschließlich mit Titanclips versorgt oder vernäht und nicht koaguliert, um eine Schädigung der empfindlichen Nervenäste zu vermeiden. Da das Prostatakarzinom, wenn es aus der Prostata herauswächst, oft als erstes in den Gefäßnervenstrang einbricht, kontrollieren wir noch während der Operation durch einen sogenannten Schnellschnitt, also durch eine mikroskopische Untersuchung durch unserer Kooperationspartner aus der Pathologie, ob der Tumor tatsächlich im Gesunden entfernt wurde. Dadurch können wir eine Nerverhaltung bei fast allen Patienten anstreben.

Der wichtigste Faktor, der die Ergebnisse der radikalen Prostatektomie bezüglich Tumorkontrolle, Kontinenz, Potenz und Nebenwirkungen für den Patienten beeinflusst, ist die Erfahrung des Operateurs mit der von ihm angewandten Methode. Welche Art der Prostataoperation bevorzugt wird, ist dagegen für den Operationserfolg nicht relevant. Da unsere Prostataoperateure langjährige Erfahrungen mit der offenen nerverhaltenden Operationstechnik an jeweils mehr als 1000 Patienten sammeln konnten, haben wir uns bewusst gegen die Einführung einer robotischen Operationstechnik und für die laufende Perfektionierung unserer offenen Operation entschieden. Die regelmäßige Erwähnung unseres Zentrums in der bundesweiten Bestenliste für die Behandlung des Prostatakarzinoms in der FOCUS-Klinikliste bestätigt uns seit Jahren in dieser Entscheidung.

Brachytherapie der Prostata

HDR-Afterloading-Brachytherapie
bei Prostatakarzinom

Eine Alternative zur Radikaloperation beim lokalisierten Prostatakarzinom ist die Brachytherapie der Prostata, das bedeutet die Bestrahlung der Prostata durch in das Gewebe der Prostata eingebrachte Strahlenquellen, Die verwendete Strahlung ist intensiv, aber nur kurzreichend, sodass umliegende Gewebe effektiv vor Strahlennebenwirkungen geschützt sind. Im Friederikenstift führen wir seit dem Sommer 2004 in Kooperation mit unserer Strahlentherapie unter der Leitung von Frau Dr. M. Blach (Link) die Brachytherapie in Form der Afterloading-Brachytherapie, auch High-Dose-Rate-Brachytherapie (HDR-Brachytherapie) genannt, durch. Bei diesem Verfahren wird die Prostata in einer kurzen Narkose vom Damm aus an genau vorberechneten Stellen unter Ultraschallkontrolle mit Hohlnadeln punktiert, durch die dann ein radioaktiv strahlender Draht in das Organ gebracht wird und an definierten Haltepunkten eine vorberechnete Zeit von wenigen Sekunden verweilt. Am Ende der Behandlung wird, im Gegensatz zur Brachytherapie mit Seeds, die Strahlenquelle aus dem Körper entfernt.

Wir führen die Brachytherapie zweimal im Abstand von einer Woche durch, gefolgt von einer ambulanten Aufsättigungsbestrahlung über etwa 5 Wochen. Dadurch eignet sich diese Therapie auch zur Behandlung von Prostatakarzinomen mit aggressiveren Tumorcharakteristika wie einer Differenzierung mit Gleason-Grad 4 oder mit einem PSA-Wert über 10 ng/ml. Eine Inkontinenz nach Brachytherapie ist extrem selten, eine Minderung der Erektionsfähigkeit kann aber auch mach einer Brachytherapie durch Strahlenwirkung auf das Gefäßnervenbündel auftreten. Andere mögliche Nebenwirkungen sind strahlenbedingte Reizungen von Blase und Darm mit häufigem, gelegentlich drangartigem oder schmerzhaftem Wasserlassen und häufigerem Stuhlgang oder Durchfällen. Für die Brachytherapie darf die Größe der Prostata ein gewisses Maß nicht überschreiten, da sie sonst vom Damm aus nicht ausreichend erreichbar ist. Sie darf auch nicht die Blasenentleerung behindern, da es sonst bei einer Schwellung des Organs nach der Brachytherapie zu einer Harnverhaltung kommen kann. Wenn Sie sich für eine Brachytherapie entscheiden, sollte also eine prästationäre Abklärung der Eignung erfolgen. Bitte vereinbaren Sie hier für einen Termin unter hier bitte den passenden Link zu unserem Sekretariat einfügen und kommen Sie mit einer vollen Blase, damit wir die Stärke des Harnstrahls messen können.

Perkutane Strahlentherapie der Prostata

Die Bestrahlung der Prostata von außen ist eine weitere seit vielen Jahren etablierte Behandlungsmethode des lokalisierten Prostatakarzinoms. Sie kann als Alternative zur Operation in allen Stadien, ggf. auch in Kombination mit einer Hormontherapie, angewendet werden und ist auch eine Alternative für Patienten, denen eine Operation oder Narkose nicht zugemutet werden kann oder die die Nebenwirkungen der Radikaloperation fürchten, für eine Brachytherapie aus den oben genannten Gründen, z. B. bei zu großer Prostata oder bei einer Behinderung der Blasenentleerung, aber nicht geeignet sind. Die perkutane Strahlentherapie wird in unserem Prostatazentrum durch die Abteilung für Strahlentherapie in Kooperation mit der Urologischen Klinik durchgeführt, Die Anmeldung und Therapieplanung erfolgt über die Abteilung für Strahlentherapie.

Auch beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom gibt es für den betroffenen Mann viele Behandlungsmöglichkeiten, die wir im Friederikenstift anbieten:

Hormontherapie

Durch medikamentöse Hemmung der Produktion des männlichen Geschlechtshormons Testosteron, in der Regel durch Depot-Spritzen die alle 1 bis 3 Monaten gegeben werden müssen, kann das Prostatakarzinom oft über viele Jahre zum Stillstand gebracht werden, ohne allerdings eine vollständige Vernichtung der Tumorzellen zu bewirken. Die Hormontherapie ist daher die optimale Behandlung für Patienten mit fortgeschrittenem Karzinom und für Patienten mit einer Lebenserwartung von weniger als etwa 10 Jahren und solchen, denen die Nebenwirkungen der oben genannten Therapieformen des lokalisierten Prostatakarzinoms nicht zugemutet werden können. Die Hormontherapie erfolgt in aller Regel in der Praxis ihres behandelnden Urologen.

Wenn sich das Prostatakarzinom nach oft langjähriger Behandlung durch eine hrmontherapie durch diese nicht mehr ausreichend kontrollieren lässt, spricht man von einemkastrationsresistenten Karzinom. Hier haben sind erst in den letzten Jahren erfolgreiche Behandlungsmöglichkeiten entwickelt worden.

Chemotherapie

Seit Anfang des Jahrtausends gibt es effektive chemotherapeutische Behandlungen für das metastasierte Prostatakarzinom für Patienten, bei denen die Hormontherapie nicht mehr wirksam ist. Solche Behandlungen, zum Beispiel mit Docetaxel (z. B. Taxotere ®), werden in unserer Klinik in Kooperation mit der Onkologie der Klinik für Innere Medizin begonnen und können in vielen Fällen auch ambulant bei Ihrem Urologen oder bei unseren Onkologischen Kooperationspartnern Dr. Zander und Dr. von der Heyde, Onkologie am Raschplatz (Link), fortgesetzt werden. Nach versagen von Doceetaxel ist das Chemotherapeutikum Cabazitaxel (Jevtana®) in der Zweitlinienbehandlung noch effektiv.

Seit kurzem gibt es vor oder nach Chemotherapie Alternativen in Form von Medikamenten, die noch einmal in die Wirkung der männlichen Hormone eingreifen. Durch Abirateron (Zytiga®) und Enzalutamid (Xtandi®) kann mit wenig Nebenwirkungen eine weitere Lebensverlängerung erreicht werden. Nach Empfehlung so einer Tablettenbehandlung kann Ihnen diese Ihr Urologe verschreiben. 

Strahlentherapie von Knochenmetastasen

Knochenmetastasen führen beim Patienten mit Prostatakarzinom oft zu starken Schmerzen. Eine Bestrahlung dieser Metastasen oder eine Behandlung des gesamten Skelettes durch Injektion von Radionukliden durch unsere Strahlentherapie zusätzlich zu den oben genannten Behandlungsmaßnahmen kann diese Schmerzen lindern und die Gefahr von Knochenbrüchen im Metastasenbereich vermindern. Ein neuer Therapieansatz, der vor kurzem zugelassen wurde, ist die Injektion von strahlenden Radium-Partikeln, die nicht nur die Symptome behandeln, sondern auch das Überleben signifikant verlängern können. In der Nuklearmedizin unseres Hauses als Kooperationspartner unseres Prostatazentrums können Sie auch diese Therapie erhalten. 

Therapieentscheidung

Zur Entscheidungsfindung über die beste dieser Therapiealternativen treffen sich alle Kooperationspartner wenigstens einmal monatlich in einer posttherapeutischen Konferenz. Die Empfehlungen dieser erläutern wir Ihnen gerne und ausführlich in einem Gespräch.

Schmerztherapie

Ein wesentliches Behandlungsziel beim metastasierten Prostatakarzinom ist die Schmerzfreiheit des Patienten. Hierzu bedarf es einer kompetenten medikamentösen Schmerztherapie, die wir in der Urologischen Klinik in Kooperation mit den Spezialisten unseres Schmerzdienstes und unseres Palliativdienstes verwirklichen.

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