Unser Leistungsspektrum - Interdisziplinäre Multimodale Schmerztherapie

Im Gegensatz zu akuten Schmerzen, die maximal 12 Wochen dauern, helfen einseitige Therapien bei chronischen Schmerzen nicht mehr. Die Interdisziplinäre Multimodale Schmerztherapie ist ein ganzheitlicher Ansatz, bei dem die Therapien individuell auf die jeweiligen Erfordernisse des Patienten zugeschnitten werden. Alle beteiligten Behandler arbeiten dabei interdisziplinär im Team zusammen. Weitere Chronifizierungsprozesse können so aufgehalten oder gar umgekehrt werden, um mit dem Patienten eine bestmögliche Leistungsfähigkeit und Lebensqualität zu erarbeiten.

Besondere Bedingungen

Patienten, die zur Interdisziplinären Schmerztherapie aufgenommen werden sollen, müssen besondere Bedingungen erfüllen. Sie müssen mindestens drei der folgenden Merkmale aufweisen:

  • Schmerzen, mit denen Sie bei verschiedenen Behandlern waren und die sich nicht bessern
  • Ihre Lebensqualität und/oder die Arbeitsfähigkeit sind bereits beeinträchtigt
  • Fehlschlag eines operativen Eingriff
  • Sie nehmen bereits zu lange Ihre Schmerzmedikamente, die Dosis steigert sich zunehmend, Sie befürchten eine Abhängigkeit
  • Sie leiden unter psychischen Begleiterkrankungen, die die Schmerzen verstärken, z.B. Ängste oder depressive Stimmung und ziehen sich sozial zurück
  • Sie leiden unter gravierenden weiteren körperlichen Begleiterkrankungen

Allerdings gibt es auch Voraussetzungen für die Teilnahme an der „Multimodalen Schmerztherapie“:

  • Sie müssen uns sprachlich verstehen können, wenn wir Sie über kompliziertere Sachverhalte aufklären und Sie müssen den unterschiedlichen Therapieformen inhaltlich folgen können
  • Sie sollten so mobil sein, dass Sie zu den Anwendungen und Therapien gehen können
  • Sie sollten bereit sein mit uns zusammenzuarbeiten und viele Fragen beantworten, die ihre psychische, berufliche, soziale, ökonomische und körperliche Verfassung betreffen.
  • Auch sollten Sie verschiedene Fragebögen eigenständig ausfüllen, damit wir Ihre Schmerzen, Verläufe ebenso wie Therapieerfolge erfassen können. Auf diese Weise können wir unser Konzept auf eine wissenschaftlich fundierte Basis stellen (siehe beispielsweise "Deutsche Schmerzfragebogen" der Deutschen Schmerzgesellschaft)

Unser Konzept

Zunächst mal gilt herauszufinden, ob Ihr Schmerz akut oder chronisch ist. Ein Schmerz, der längere Zeit erfolglos behandelt wird, bei dem Medikamente nicht mehr ausreichend wirken, der auf passive Therapiemaßnahmen nicht mehr anspricht, auch nach Operation nicht verschwunden ist, entwickelt sich zu einem eigenständigen Krankheitsbild, der chronischen Schmerzstörung.

Wir werden dann all Ihre Vorbefunde sichten, die Sie uns mitbringen, ihre Medikamente unter die Lupe nehmen und darauf abgestimmt, einen individuellen Behandlungsplan erstellen, der auf dem biopsychosozialen Krankheitsmodell basiert.
Das Modell besagt, dass neben dem körperlichen Defekt auch psychische und soziale Prozesse die Erkrankung mitbedingen aber auch reduzieren helfen und eine rein somatische Sichtweise („klassisches medizinisches Krankheitsmodell“) nicht zielführend ist. Beim klassischen medizinischen Krankheitsmodell wird die Ursache für den Schmerz gesucht, trotz differenzierter bildgebender Verfahren oft nicht gefunden, und selbst wenn, hilft diese Diagnose oft nicht, den Schmerz zu reduzieren. Diese Sichtweise führt in vermeidbare Operationen oder einem überhöhten Medikamentengebrauch, sowie in einen über das medizinische System frustrierten Patienten.

Deshalb sollten Sie, wenn Sie zu uns kommen, auch die Bereitschaft zum Schmerzmittelentzug mitbringen, sowie den Verzicht auf passive Maßnahmen akzeptieren.


Am Wichtigsten aber ist, dass Sie trotz der Schmerzen eine ausreichende Therapiemotivation für die mit Ihnen vereinbarten psychotherapeutischen und körpertherapeutisch oder ärztlichen Verfahren mitbringen.

Wir schaffen nichts ohne Ihre aktive Mitarbeit!

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Das Therapieprogramm

Im Therapieprogramm der multimodalen Schmerztherapie sind ärztliche, bewegungstherapeutische als auch psychologische Einheiten enthalten, die eng miteinander verzahnt sind. Die Behandlung erfolgt einzeln oder in Kleingruppen.

Ein wichtiger allgemeiner Therapiebaustein ist die Informationsvermittlung, in dem Wissen zur Schmerzentstehung, ambulante Behandlungsmöglichkeiten, über spezifische Krankheitsbilder und unterschiedliche medikamentöse, konventionell, operative oder alternative Ansätze vermittelt wird. In anschließenden Gesprächen werden Ihre individuellen Anliegen Raum und Gehör finden. Damit sollen Sie in die Lage versetzt werden mit Ihren ambulanten Behandlern auf Augenhöhe Ihre Situation besprechen zu können.

 

Therapiebaustein Bewegung (Physiotherapie, medizinische Trainingstherapie)

Die Bewegungstherapie dient zur Aktivierung und Wiederaufbau von körperlichen Funktionen. Hier wird die Körperwahrnehmung geschult, die körperliche Kraft und Ausdauer verbessert sowie Beweglichkeit und Koordination trainiert. Die Übungen werden dabei vorsichtig vom Schweregrad gesteigert. Hier wird also aktiv geübt, so dass sich ein individuelles Training für den Hausgebrauch ergibt.

Therapiebaustein Psychologie

Parallel zu den Ärzten findet auch eine psychologische diagnostische Aufnahme statt. In einer Schmerzgruppe wird Wissen zu unterschiedlichem Schmerzerleben und die Schmerzverstärkung durch die Interaktion von Stress oder Berufs- und Alltagsbelastungen vermittelt. Ebenso werden Möglichkeiten des Umgangs mit Schmerz besprochen. Therapiebegleitend finden psychologische Einzelgespräche statt.

Therapiebaustein Ergotherapie

Die Ergotherapie unterstützt den Menschen beim (Wieder-)erlangen der Handlungsfähigkeit im Alltagsleben und hilft, ihn in seiner Selbstständigkeit in den Bereichen Selbstversorgung, Produktivität und Freizeit in seiner persönlichen Umwelt zu stärken. Es geht in den Behandlungen unter anderem auch um die Verbesserung der Körperwahrnehmung, Wahrnehmung und Akzeptanz von eigenen Grenzen und den Umgang mit Schmerzen im Alltag. Ferner wird hier vermittelt, sich individuelle, erreichbare Ziele vorzunehmen und Erfolge auch als solche wahrzunehmen.

Die Therapie wird individuell angepasst und beinhaltet beispielsweise Spiegeltherapie, Entspannungsverfahren, Hilfsmittelberatung, Narbenbehandlung, Körperwahrnehmungs- und Bewegungsschulung etc.

Therapiebaustein Medizin

In den klinischen Vorgesprächen stellen Ärzte und Psychologinnen fest, ob wir Ihnen helfen können. Dafür benötigen wir alle Vorbefunde aus Rehaklinken, Akuthäusern, ambulanten Ärzten zu jedem körperlichen oder seelischen Befund. Wir legen gemeinsam Ziele fest, was wir mit Ihnen während des stationären Aufenthaltes erreichen wollen. Anschließend bekommen Sie verschiedene Fragebögen mit, die Sie bis zur Aufnahme ausfüllen sollten. Wir begleiten Sie dann stationär beim Medikamentenentzug, Medikamentenaufbau, erklären Befunde, verordnen die für Sie angemessenen Therapien, begleiten Sie bei alltagsrelevanten und beruflichen Fragen.

Therapiebaustein Kunsttherapie

Die Kunsttherapie zählt zu den Therapien, die das menschliche Bedürfnis, sich gestalterisch auszudrücken, fördern. Man lernt (wieder) die Welt um sich herum mit allen Sinnen wahrzunehmen, aber auch Bedürfnisse und innere Konflikte sichtbar zu machen, die vielleicht sprachlich nicht ausgedrückt werden können. Entstandene Werke spiegeln Gefühle wieder und es eröffnen sich damit Möglichkeiten, so dass im therapeutischen Gespräch Bewältigungsstrategien entwickelt werden können. Dabei mobilisiert die kreative Energie, die jeder Mensch besitzt, die Selbstheilungskräfte und fördert Selbstverantwortung.

Therapiebaustein Pflege

Ein Gesundungsprozess wird entscheidend durch die Pflege beeinflusst. Hier wird nicht die Krankheit behandelt, sondern Menschen, die unter Schmerzbedingungen leben. Insofern haben wir ein ganzheitliches Gesundheitsverständnis. Gesundheit hat Ressourcen und ein Selbstpflegepotential, was wir unterstützen, indem wir uns an Ihren individuellen Kompetenzen ausrichten. Und wir sind grundsätzlich ansprechbar.

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Wer hilft?

Im Schmerzzentrum arbeitet ein interdisziplinäres Team, also Fachleute unterschiedlicher Profession mit Ihnen zusammen.

  • Leitender und koordinierender ärztlicher Schmerztherapeut
  • Anästhesistinnen
  • Neurologin
  • Psychologinnen & Psychotherapeutinnen
  • Physiotherapeutinnen
  • Ergotherapeutinnen
  • Speziell geschultes Pflegepersonal („Pain Nurses“)

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