Schmerzbehandlung nach Kaiserschnitt im Henriettenstift mit Pain Care Award ausgezeichnet

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Das Akutschmerzteam: Dr. Simone Müller, Anke Oberschulte-Beckmann, Tamara Kasten und Sylvia Strube

Das Akutschmerzteam des DIAKOVERE Henriettenstifts wurde auf dem Deutschen Schmerzkongress in Mannheim mit dem Pain Care Award 2016 ausgezeichnet. Das innovative Projekt zur Schmerzversorgung von Kaiserschnitt-Patientinnen im Perinatalzentrum konnte den wissenschaftlichen Beirat des Pain Care Awards 2016 für die Auszeichnung überzeugen.

Bei einer natürlichen Geburt sorgen Glückshormone dafür, dass der Schmerz sofort vergessen wird, sobald das Kind auf der Welt ist. Kommt das Kind per Kaiserschnitt auf die Welt, bleibt dieser natürliche Schutzmechanismus aus. Stattdessen bleibt eine Wunde an einer ziemlich empfindlichen Stelle am Bauch.

Obwohl der Kaiserschnitt durch neue OP-Techniken mittlerweile weniger invasiv ist, leiden viele Frauen nach der Kaiserschnitt-OP unter starkem Wundschmerz. Der Schmerz schränkt die Beweglichkeit ein und trübt die ersten gemeinsamen Tage mit dem Kind.

Ein wichtiger Aspekt in der Mutter-Kind-Bindung ist das Stillen, dieses kann durch Schmerzen beeinträchtigt sein. Da Schmerzmittel nicht nur auf die Mutter, sondern über die Muttermilch auch auf das Baby wirken, muss man mit der Wahl einer Schmerztherapie sehr vorsichtig sein, erklärt Dr. Simone Müller, Ärztliche Leiterin des Akutschmerzdienstes im DIAKOVERE Henriettenstift.

Das Akutschmerzteam im DIAKOVERE Henriettenstift, bestehend aus den ausgebildeten Schmerzexpertinnen, den so genannten Pain Nurses, Tamara Kasten, Sylvia Strube und Anke Oberschulte-Beckmann sowie der ärztlichen Leiterin, Dr. Simone Müller, nahm sich der Schmerzbehandlung nach einem Kaiserschnitt an.

Über vier Jahre entwickelte das Team in Zusammenarbeit mit den Gynäkologen und Neugeborenenmedizinern des Perinatalzentrums und der Apotheke ein Konzept für eine optimierte Schmerzversorgung von Kaiserschnitt-Patientinnen.

Bislang setzte man in der Schmerzbehandlung von Kaiserschnittwunden vor allem auf den Wirkstoff Ibuprofen und/oder Paracetamol, welche jedoch nur einen begrenzten Wirkungsgrad aufweisen. Die Behandlung ausschließlich über einen Schmerzkatheter war sowohl für die Betroffenen als auch für das Akutschmerzteam nicht zufriedenstellend, berichtet die projektverantwortliche Pain Nurse Tamara Kasten.

Das neue Behandlungskonzept setzt nun auf ein Morphin als Wirkstoff, das auch in der Neugeborenenmedizin zum Einsatz kommt. Es ist für Mutter und Kind gleichermaßen verträglich und reduziert den Wundschmerz spürbar, wie die Schmerzdokumentation und die Befragung der Patientinnen ergab.

Rund 1.500 Patientinnen im Perinatalzentrum konnten in den letzten vier Jahren bereits von dem neuen Konzept profitieren. Tamara Kasten freut sich über die sichtbaren Erfolge des Projekts: „Die Patientinnen sind viel schneller wieder auf den Beinen und können ihr Baby besser stillen!“ Da es weniger Komplikationen gebe, könnten die Mütter zudem früher das Krankenhaus verlassen.

Für ihre Arbeit wurden Tamara Kasten und das Team jetzt mit dem Pain Care Award 2016 auf dem Deutschen Schmerzkongress in Mannheim ausgezeichnet. Mit diesem Award, einer Initiative der Mundipharma, werden Projekte ausgezeichnet, die als „State oft the art“ für eine professionelle Versorgung von Schmerzpatienten dienen sollen. Die Jury lobte die exzellente Arbeit über den eigenen Wirkungskreis hinaus und zeigte sich beeindruckt von dem akribischen Qualitätsmanagement, das Fragebögen, Schmerzdokumentationen, Ziel- und Maßnahmenpläne sowie Informationsflyer in interdisziplinärer Zusammenarbeit umfasst. Das Projekt überzeugte auch durch das Aufsetzen einer Benchmark im Vergleich zu einem anderen Krankenhaus sowie durch die aufwendige Auswertung des Fragebogens.

„Mein Team und ich freuen uns sehr über den Gewinn des Pain Care Awards, es ist eine große Wertschätzung für uns und unsere Arbeit. Wir arbeiten seit Jahren daran, unseren Patienten die bestmögliche, postoperative Schmerztherapie zukommen zulassen. Gerade in der postoperativen Versorgung der Sectio-Patientinnen sahen wir Verbesserungspotenzial“, erläuterte Tamara Kasten.

Stolz auf die Leistung des Teams ist auch Krankenhaus-Geschäftsführer Mathias Winkelhake: „Das Engagement des Teams ist beeindruckend! Wir freuen uns, dass dieses bundesweite Vorreiterprojekt der Schmerzversorgung die tägliche Arbeit im Sinne unserer Patienten bereichert.“

Im Perinatalzentrum des DIAKOVERE Henriettenstifts und des Kinderkrankenhauses Auf der Bult kommen pro Jahr mehr als 2.200 Kinder zur Welt. Zurzeit liegt die Kaiserschnittrate im Perinatalzentrum, das auf Risikogeburten spezialisiert ist, bei 28 Prozent und damit unter dem bundesweiten Durchschnitt von 40 Prozent. 

 
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