Unfallchirurgie und Geriatrie arbeiten Hand in Hand zusammen

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Prof. Dr. Helmut Lill (li.) und Privatdozent Dr. Olaf Krause arbeiten im zertifizierten Alterstraumatologischen Zentrum Hand in Hand.

Die Augen funktionieren nicht mehr so gut, das Auto ist seit letztem Jahr stillgelegt: Alles andere erledigt Erika von Krell mit etwas Unterstützung selbst: Mit 95 Jahren lebt sie noch alleine in den eigenen vier Wänden. Dann stürzt sie. Ein klassischer Oberschenkelhalsbruch: „Meine größte Angst war, dass ich nicht mehr zurück nach Hause kann!“ Sie kommt ins DIAKOVERE Friederikenstift, wo sie in der Notaufnahme als Patientin für das Alterstraumatologische Zentrum klassifiziert wird. Dort arbeiten die Experten aus Unfallchirurgie und Geriatrie Hand in Hand zusammen.

Die Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie ist in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Medizin im Alter als Alterstraumatologisches Zentrum zertifiziert. „Vor allem bei hochbetagten Patienten ist die zeitnahe Versorgung der Frakturen sowie die frühzeitige Mobilisation im Anschluss ein entscheidender Faktor für die Heilung“, so Chefarzt Prof. Dr. Helmut Lill, Unfallchirurg und Orthopäde. Viele der Patienten sind mindestens 70 Jahre alt, meist noch viel älter – wie Frau von Krell: „Oft bringen diese Patienten Vorerkrankungen wie Herzschwäche, Morbus Parkinson und Herzrhythmusstörungen mit“, erklärt Privatdozent Dr. Olaf Krause, Chefarzt im Zentrum für Medizin im Alter. Das müsse bei der Narkose und weiteren Behandlung berücksichtigt werden. Ob sie mit 95 Jahren überhaupt noch operiert werden könne, fragte auch Erika von Krell ihren behandelnden Arzt. Das sei sogar sinnvoll, so Dr. Krause, denn andernfalls drohe dauerhafte Immobilität und damit oft der Einstieg in die Pflegebedürftigkeit. Und genau das wolle Erika von Krell ja nicht. „Die Narkose- und Operationsverfahren, die wir heute einsetzen, sind sehr schonend!“, berichtet Unfallchirurg und Orthopäde Prof. Dr. Lill. Die Patienten erholen sich schnell und entwickeln nur selten ein Delir, einen Zustand geistiger Verwirrung, nach der Operation.

Bei Erika von Krell wurde das bereits durch Osteoporose angegriffene Hüftgelenk durch den Sturz so sehr in Mitleidenschaft gezogen, dass nur noch ein Gelenkersatz in Frage kam.  Bei einer auf die Alterstraumatologie spezialisierte Klinik wie der für Orthopädie und Unfallchirurgie verfügt das Ärzteteam über die entsprechende Erfahrung beim Gelenkersatz und der notwendigen Nachbehandlung.

Gleich nach der OP wird Frau von Krell von den Prof. Dr. Lill und PD Dr. Krause besucht. „Gemeinsame Visiten sind ein entscheidender Aspekt unserer Arbeit im Alterstraumatologischen Zentrum“, berichtet der Geriater Dr. Krause, der einmal in der Woche mit seinem unfallchirurgischen Kollegen die Patienten im Friederikenstift vor Ort besucht. „So können wir die optimale Behandlung auch in Hinblick auf die Voraussetzungen und Medikation der Patienten bestimmen.“ Nur drei Tage bleibt Erika von Krell im Friederikenstift, die ersten Mobilisierungseinheiten hat sie bereits hinter sich. Im Anschluss erhält sie für zunächst zwei Wochen eine geriatrische Frührehabilitation im Zentrum für Medizin im Alter im DIAKOVERE Henriettenstift Kirchrode. Hier wird Sie nicht nur von dem interprofessionellen Team des Zentrums betreut, auch hier kommt regelmäßig ein Unfallchirurg aus dem Friederikenstift zur gemeinsamen Visite ins Haus.

Bereits nach wenigen Tagen vor Ort geht Frau von Krell gemeinsam mit der Physiotherapeutin die ersten Schritte. Ihr fällt ein Stein vom Herzen. Nach zwei Wochen täglicher Physiotherapie sowie ärztlicher Behandlung mit Anpassung der Medikation steht die Rückkehr in die eigene Wohnung bevor – zunächst noch mit Unterstützung eines ambulanten Pflegedienstes: „Aber Gott sei Dank zuhause!“

 
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