Kombinierte vaskuläre und endovaskuläre Chirurgie

Allgemeine Informationen

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Zur Behandlung von Gefäßerkrankungen haben verschiedene medizinische Fachrichtungen unterschiedliche Behandlungsmethoden entwickelt, um den Patienten im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu helfen. Der Vorteil des Gefäßzentrums Hannover im Henriettenstift ist, die enge Zusammenarbeit der einzelnen Disziplinen um geeignete Methoden auch als Kombinationsbehandlungen anbieten zu können, damit unseren Patienten die effektivste und am wenigsten belastende Behandlung teilhaftig wird. Durch konsequente Weiterentwicklungen der modernen Röntgenbildgebung können Kathetereingriffe heutzutage auch im Operationssaal durchgeführt werden.

Die arterielle Verschlusskrankheit ist dadurch gekennzeichnet, dass es durch Verengung oder Verschluss einer Arterie zur Minderdurchblutung des betroffenen Organs mit mehr oder weniger gravierenden Auswirkungen kommt. Am häufigsten ist die arterielle Durchblutungsstörung der Beine, die man als periphere arterielle Verschlusskrankheit ( = pAVK, „Schaufensterkrankheit“) bezeichnet. Da die meist zugrundeliegende Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) ein chronisch fortschreitendes Leiden ist, welches alle Arterien des Körpers befällt, können behandlungsbedürftige Arterienverengungen auch an mehreren Stellen gleichzeitig auftreten. So können als Ursachen einer „Schaufenstererkrankung“ gleichzeitig Engen der Becken-, der Oberschenkel- und/oder Unterschenkelarterien vorhanden sein. Diese Engen oder Verschlüsse sind unterschiedlich lang und können theoretisch durch einen langen Bypass überbrückt werden. Aber je länger und je dünner ein Bypass ist, umso höher ist das Risiko, dass dieser Bypass sich bald wieder verschließt. Man wird daher versuchen, den Bypass so kurz wie möglich zu halten. Es kann daher sinnvoll sein, die längere Verschlussstrecke mit einem Bypass zu überbrücken und davor oder dahintergelegene kurzstreckige Verschlüsse oder Engen mittels eines Katheterverfahrens während der Operation zu beseitigen. Ein typisches Beispiel ist der langstreckige Verschluß der Oberschenkelarterie in Kombination mit einer vorgeschalteten kurzstreckigen Enge der zugehörigen Beckenarterie (Siehe Abb. 1a,b). Aber auch nachgeschaltete Engen im Unterschenkelbereich können beim Einsetzen eines Bypasses schon während der Operation aufgedehnt werden.

Kann man die Enge mit einem Ballon ausreichend aufdehnen, reicht diese zusätzliche Maßnahme zunächst aus. Zieht sich die Enge aufgrund vorhandener Eigenelastizität nach einer Dehnungsbehandlung wieder zusammen, so besteht in Arteriensegmenten, in denen keine Bewegung stattfindet (Laufen), die Möglichkeit, diese Enge mit einem Metallgitter entsprechender Größe (Stent) offen zu halten.

Auch bei umschriebenen Erweiterungen von Körperschlagadern (Aneurysmen) kann der Einsatz kombinierter Behandlungsverfahren sinnvoll sein. So können Aneurysmen heute vielfach statt durch eine belastendere Operation mittels eines Stents, also eines mit einer Kunststoffprothese bedeckten Metallgitters, welches über ein Katheterverfahren über die Leistenarterie eingebracht wird, geschient werden. Im Bereich der Brustschlagader und der oberen Bauchschlagader werden dadurch jedoch die hirn- oder eingeweideversorgenden Arterien nicht mehr durchblutet und ein Absterben der Organe wäre die Folge. Durch operatives Legen von Bypasses können diese Organe jedoch im Vorfeld des Stents mit Blut versorgt werden. Der Vorteil dieses Vorgehens liegt darin, dass die Kombination aus Aortenstent und Bypassverfahren häufig deutlich weniger belastend und risikoärmer ist als die große offene Operation an der Hauptschlagader (Abb. 2a,b)

Die meisten Kombinationsverfahren halten trotz eines zunächst guten Ergebnisses nicht für immer. Sie ermöglichen jedoch, den Eingriff weniger belastend zu gestalten und eine komplexere Bypassoperation, die auch mit einem höheren Operationsrisiko behaftet ist, zu vermeiden oder zumindest auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben.

Abb. 1a: Arterielle Verschlußkrankheit mit Engen der Beckenarterien und Verschluß der Oberschenkelarterien: Vorgeschaltete Beckenarterienenge links vor, rechts nach Ballonerweiterung

Abb. 1b: Arterielle Verschlußkrankheit mit Engen der Beckenarterien und Verschluß der Oberschenkelarterien: Überbrückung der Oberschenkelarterienverschlüsse durch Bypasses.
Abb. 2a: Reparatur eines Aortenbogeneinrisses mittels Aortenstent und Wiederanschluß der Kopf- und Armgefäße über eine Gefäßprothese am Hals
Abb. 2b: Ausschaltung eines Bauchaortenaneurysmas oberhalb der Nierenarterienabgänge mit Versorgung der Eingeweidearterien über eine extraanatomisch liegende Y-Prothese

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