Erstes Alterstraumatologisches Zentrum (ATZ) Niedersachsens im Henriettenstift

Prof. Dr. Klaus Hager, Leiter des Zentrums für Medizin im Alter am Standort Kirchrode und Dr. Lambert Herold, Chefarzt der Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie, beide im DIAKOVERE Henriettenstift, sind für das Projekt Alterstraumatologie verantwortlich. Hier sprechen sie über die Entwicklung, den Nutzen und die Ziele.

Chefärzte

Wie sind Sie zu diesem Projekt gekommen?

L.H.: Die Zahl verletzter alter Menschen steigt kontinuierlich. Häufig geht nach einem Sturz wegen der Multimorbidität dieser Patienten leider die Selbst-ständigkeit verloren. Nicht zuletzt unter diesem Aspekt haben wir uns gefragt, welche Strukturen wir bei DIAKOVERE schaffen können, um das bestmögliche Gesamtergebnis bei der Versorgung dieser Patientengruppe zu erreichen.

K.H.: Wir haben uns gemeinsam auch andere Einrichtungen angeschaut, haben dort viele Vorteile gesehen und wollten das Konzept auch hier umsetzen.

Wie funktioniert das?

L.H.: Die Behandlung muss auf jeden Fall von Internisten und Chirurgen gemeinsam und in enger Absprache erfolgen. Dementsprechend haben wir uns zusammen gesetzt, unsere derzeitigen Möglichkeiten überprüft und dann ganz pragmatisch  angefangen. Zuerst haben wir gemeinsame Visiten durchgeführt – dabei konnten wir über den eigenen fachlichen „Tellerrand“ schauen und haben viel voneinander gelernt.

 Was machen Sie jetzt anders?

L.H.: Die internistischen Probleme treten meist kurz nach der Operation vermehrt auf, sodass wir erheblichen Bedarf an entsprechenden Konsiliarleistungen hatten. Jetzt verlegen wir die Patienten möglichst so frühzeitig nach Neu Bethesda, dass diese Probleme gleich hauptsächlich von den Internisten behandelt werden können – unfallchirurgische Fragestellungen klären wir im Rahmen gemeinsamer Visiten an 2 Tagen in der Woche vor Ort.


K.H.: Es ist günstig, multimorbide alte Patienten zügig in ein internistisches Setting zu bringen. Dadurch werden unfallchirurgische Betten schneller frei. Und wir können uns um postoperative Probleme kümmern. Die aktuellen Konzepte der Zertifizierung lassen es zu, Alterstraumatologie an zwei Standorten durchzuführen.

Was versprechen Sie sich davon für den Patienten?

K.H.: Patienten bekommen bei uns eine frührehabilitative Komplexbehandlung, das heißt mindestens zwei Therapien am Tag. Ihnen stehen Krankengymnastik, Gruppentherapie, Ergotherapie, Gerätetraining und physikalische Therapie zur Verfügung. Für die Patienten versprechen wir uns eine raschere Mobilisierung, eine kürzere Verweildauer und eine bessere Funktion in kürzerer Zeit. Seit Beginn des vergangenen Sommers hatten wir etwa 100 Patienten so behandelt.

L.H.: Mit dem Konzept sind wir bis jetzt sehr erfolgreich. Alleine im DIAKOVERE Henriettenstift haben wir das Potenzial für etwa 250 derartiger Patienten pro Jahr. Das Projekt ist einfach menschlich, wirtschaftlich und auch noch strategisch sinnvoll. 

 
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