Hilfe zur Selbsthilfe - was können Sie selber tun?

Wenn noch nicht geschehen, beginnen Sie damit, sich einen Überblick über das "Verhalten" Ihrer Blase zu verschaffen, indem Sie an 2 "normalen" Tagen ein sogenanntes Miktionstagebuch führen. Hier tragen Sie Trinkmenge, Dranggefühl und die Harnmenge mit Uhrzeit ein. Ein vorgefertigtes  Formular können Sie in der Sprechstunde bekommen.

In die Harnblase passen bis zu 500ml

Normalerweise ist die Harnblase sehr dehnbar und kann 300-500ml (also bis zu einem halben Liter) aufnehmen. Vergleichen Sie nun Ihre gemessenen Harnmengen; liegen die Werte deutlich darunter, spielt Ihre Harnblase Ihnen einen Streich und befiehlt Ihnen zu früh: "Los, gehe zur Toilette".Und an diesem Punkt können sie eingreifen: Bleiben Sie ruhig und lassen sich nicht von Ihrer Blase tyrannisieren. Sie können verschiedene Rituale einüben, um den Toilettengang aufzuschieben, damit Ihre Blase wieder lernt, dass Sie noch mehr Volumen aufnehmen kann.  

Ablenkungsmanöver

Setzen Sie sich in Ruhe hin und sagen Sie sich z.B. "Nein, ich gehe jetzt nicht, ich weiß, dass noch mehr in meine Blase passt" oder lenken Sie sich ab, lesen, sehen fern, telefonieren um Ihre Gedanken von der Blase und dem vermeintlichen Harndrang abzubringen. Wenn der akute Harndrang nachgelassen hat, können Sie Ihrem Tagwerk weiter nachgehen. Der Erfolg ist messbar, indem Sie sich aufschreiben wie viel Zeit zwischen den einzelnen Toilettengängen vergeht. Zu Beginn freuen Sie sich, wenn Sie den Toilettengang nur um einige Minuten herauszögern können, später kann die Zeit bis zu einer oder mehreren Stunden ausgedehnt werden. Auch werden Sie feststellen, dass die Harnmenge pro Toilettengang steigt.  

Geduld ist gefragt

Natürlich handelt es sich dabei nicht um eine Therapie mit sofortigem Erfolg...wichtig ist, dass Sie diese Rituale in Ihren Alltag integrieren und die Kontrolle über Ihre Blase wieder gewinnen - Schritt für Schritt- mit viel Geduld!! Sie werden im Laufe der Zeit die Angst vor der Blasenschwäche verlieren und Ihre Lebensqualität wird sich deutlich verbessern. Für Rückfragen und Hilfestellungen stehen wir Ihnen selbstverständlich gerne zur Verfügung. Sicher kann eine Kombination mit Beckenbodentraining und Medikamenten sinnvoll sein! Sprechen Sie uns an!  


Essen und trinken

Die richtige Trinkmenge!

Wenig Trinken ist keine Therapie der Blasenschwäche! Zwar klingt das paradox, weil tatsächlich weniger Harn ausgeschieden werden muss, wenn man weniger trinkt. Aber der Körper benötigt für alle wichtigen Funktionen Wasser, um den Stoffwechsel aufrecht zu erhalten. Insgesamt sollten Sie mindestens 1,5 -2 Liter pro Tag trinken, am besten regelmäßig über den Tag verteilt und in Ruhe. Außerdem reizt zu konzentrierter/dunkler Urin die Blasenschleimhaut. Dies kann den Harndrang verstärken. Sie sollten koffeinhaltige Getränke wie Kaffee, Cola und schwarzen Tee reduzieren und Wasser, Kräuter oder Früchtetee, oder Saftschorlen bevorzugen. Ein "Geheimtipp" ist Cranberry-Saft, der die Abwehr der Blasenschleimhaut stärkt und damit einen positiven Effekt beisteuern kann.  

Ernährung/Gewichtskontrolle

Sind Sie übergewichtig?  Das können Sie anhand des sogenannten Body Mass Index (BMI) herausfinden. Der BMI berechnet sich aus folgender Formel:

  • BMI = Köpergewicht (in kg) / Körpergrösse (in m) zum Quadrat
    Beispiel: 65 / (1,7*1,7)= 22,5
  • Bei Frauen liegt der Normwert zwischen 18 und 24, bei Männern zwischen 20 und 25.

Auch für die Blasenschwäche hat das Köpergewicht eine entscheidende Bedeutung. Die Muskelplatte des Beckenbodens (s. Anatomie) muss das Gewicht und den Druck des Bauchraumes tragen. Je höher das Körpergewicht umso größer ist die Belastung des Beckenbodens. Dieser hat gleichzeitig auch eine Haltefunktion für die Harnblase und Harnröhre und damit deren Verschlussapparat. Das heißt Abnehmen führt zu einer Entlastung des Beckenbodens und verstärkt damit den Effekt von Beckenbodentraining. Deshalb kann Gewichtsreduktion direkt vor allem eine Belastungsinkontinenz, d.h. den Urinverlust beim Lachen, Husten, Niesen oder beim Tragen schwerer Gegenstände positiv beeinflussen.


Bewegung und Entspannung

Entspannung für Körper und Geist

Unser Alltag ist oft bestimmt durch Unruhe und Termindruck. Von der Blase wird erwartet, dass Sie funktioniert - in unserem Bewusstsein hat sie keinen Platz. Durch Entspannungsübungen wie Autogenes Training, Qigong oder Yoga kann die Körperwahrnehmung und die Wahrnehmung der Blase geschult werden. Hierdurch kann die Kontrolle der Blasenfunktion sehr gut mit beeinflusst werden - ganz abgesehen von den allgemein positiven Effekten, die Sie erfahren, wenn Sie sich Zeit für sich nehmen.  

Sexualleben

Gerade in der Partnerschaft ist Offenheit angebracht. Sprechen Sie mit Ihrem Partner offen über die Thematik und verhindern Sie so vor allem das Entstehen von Missverständnissen.  

Körperliche Aktivität oder Joggen?!

Gerade für das allgemeine Wohlbefinden und die Gewichtsreduktion spielt körperliche Aktivität eine große Rolle. Aber bei Schwäche der Beckenbodenmuskulatur gibt es Sportarten, die eine Fehlbelastung für den Beckenboden darstellen. Gleichzeitig sind dies die Bewegungen, die von Patientinnen aus diesem Grund, instinktiv gemieden werden z.B. treppab gehen oder schweres Heben. Dazu zählt auch Joggen oder anderer Sport, bei dem durch springende Bewegungen der Beckenboden immer wieder das Gewicht des Bauchraums auffangen muss. Das gleiche gilt für bestimmte Geräte/Gewichtübungen im Fitnessstudio, bei denen der Druck im Bauchraum durch Anspannung der Bauchmuskulatur direkt auf den Beckenboden weitergegeben wird. Darf man nun solchen Sport gar nicht mehr betreiben? Doch, natürlich! Es ist nur wichtig, dass Ihr Beckenboden auf diese Belastung durch gezieltes Beckentraining vorbereitet wird.

Beratungen zur den genannten Therapieinhalten können Sie unter der
0511 129 2310 (Gynäkologische Ambulanz) terminlich vereinbaren.

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