POEM – Perorale endoskopische Myotomie

Schonende endoskopische Behandlung der Achalasie und verwandter Schluckstörungen

Die perorale endoskopische Myotomie (POEM) ist ein modernes, minimalinvasives Verfahren zur Behandlung von Schluckstörungen, die durch eine Funktionsstörung der Speiseröhrenmuskulatur entstehen – allen voran der Achalasie. Der gesamte Eingriff erfolgt über eine Magenspiegelung, also von innen und ohne Schnitt an der Haut. In der Klinik für Gastroenterologie am DIAKOVERE Henriettenstift führen wir POEM als Teil unseres spezialisierten Angebots für Schluckstörungen durch.

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Achalasie – wenn die Speiseröhre sich nicht öffnet

Damit Nahrung in den Magen gelangt, muss zweierlei zusammenspielen: Die Muskulatur der Speiseröhre schiebt den Bissen in geordneten Wellen nach unten, und der Schließmuskel am Übergang zum Magen öffnet sich im richtigen Moment. Bei der Achalasie ist genau dieses Zusammenspiel gestört: Der untere Schließmuskel erschlafft nicht mehr richtig, und die Transportbewegung der Speiseröhre geht verloren.

Typische Beschwerden

  • Das Gefühl, dass Essen oder Getränke in der Speiseröhre stecken bleiben – oft zunächst bei fester Nahrung, später auch bei Flüssigkeiten
  • Hochwürgen unverdauter Speisereste (Regurgitation), besonders im Liegen
  • Druck oder Schmerzen hinter dem Brustbein
  • Nächtliches Verschlucken, Husten, wiederkehrende Lungenentzündungen
  • Ungewollter Gewichtsverlust

Weil die Beschwerden denen einer Refluxkrankheit ähneln können, wird die Achalasie häufig erst spät erkannt. Eine gezielte Funktionsdiagnostik schafft hier Klarheit.

Wie die Diagnose gestellt wird

  • Hochauflösende Manometrie (HRM): die Druckmessung in der Speiseröhre ist das entscheidende Verfahren. Sie sichert die Diagnose und ordnet die Achalasie einem der drei Typen zu – das ist für die Wahl der Therapie wichtig.
  • Magenspiegelung (ÖGD): sie schließt andere Ursachen aus, insbesondere Engstellen oder Tumoren am Mageneingang.
  • Röntgen-Breischluck: ergänzend, um Weite und Entleerung der Speiseröhre zu beurteilen.

Was ist POEM?

Bei der peroralen endoskopischen Myotomie wird die verkrampfte Ringmuskulatur der Speiseröhre gezielt durchtrennt – und zwar von innen, über das Endoskop. Dazu legen wir in der Wand der Speiseröhre einen schmalen Tunnel zwischen den Wandschichten an und arbeiten durch diesen Tunnel. Die Schleimhaut bleibt dabei als schützende Decke erhalten und wird am Ende wieder verschlossen.

Das Verfahren wurde 2010 in Japan eingeführt und hat sich seither international als Standardoption bei der Achalasie etabliert. Es kommt vollständig ohne Hautschnitt aus.

Der Eingriff Schritt für Schritt

  1. Vorbereitung: Sie kommen nüchtern; in den Tagen davor ist meist flüssige oder passierte Kost sinnvoll, damit die Speiseröhre leer ist. Der Eingriff erfolgt in Vollnarkose durch unsere anästhesiologischen Kolleginnen und Kollegen.
  2. Zugang: Über das Endoskop wird die Schleimhaut der Speiseröhre an einer kleinen Stelle eröffnet.
  3. Tunnel: Zwischen Schleimhaut und Muskelschicht entsteht ein schmaler Tunnel, der bis über den Mageneingang hinaus reicht.
  4. Myotomie: Die innere Ringmuskelschicht wird auf der erforderlichen Länge durchtrennt. Der Schließmuskel kann sich dadurch wieder öffnen.
  5. Verschluss: Die Eintrittsstelle in der Schleimhaut wird mit Clips sicher verschlossen.

Der Eingriff dauert in der Regel etwa 60 bis 90 Minuten. Anschließend bleiben Sie einige Tage zur Überwachung und zum langsamen Kostaufbau bei uns im Haus.

Für wen kommt POEM in Frage?

  • Achalasie aller drei Typen. Besonders beim Typ III (spastische Achalasie) ist POEM im Vorteil, weil die Länge der Myotomie individuell angepasst werden kann.
  • Andere spastische Störungen der Speiseröhrenmuskulatur, etwa der distale Ösophagusspasmus oder der sogenannte Jackhammer-Ösophagus
  • Patientinnen und Patienten, bei denen eine Ballondehnung oder eine Botulinumtoxin-Behandlung nicht ausreichend gewirkt hat oder die Wirkung nachgelassen hat
  • Auch nach einer vorangegangenen Operation ist POEM in vielen Fällen noch möglich

Verwandte Verfahren nach demselben Prinzip führen wir ebenfalls durch: die endoskopische Myotomie beim Zenkerdivertikel (Z-POEM) sowie – bei entsprechender Indikation – die Myotomie am Magenausgang bei Magenentleerungsstörung (G-POEM).

Die Entscheidung treffen wir gemeinsam

Ob POEM für Sie das richtige Verfahren ist, hängt vom Typ der Motilitätsstörung, vom bisherigen Verlauf und von Ihren Begleiterkrankungen ab.

Wir besprechen jeden Fall interdisziplinär – gemeinsam mit der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie – und stellen Ihnen alle sinnvollen Alternativen vor.

Sie entscheiden nach ausführlicher Aufklärung und Beratung.

Vorteile und mögliche Risiken

Vorteile

  • Kein Hautschnitt und keine äußeren Narben
  • Sehr gute und anhaltende Beschwerdebesserung bei einem hohen Anteil der Behandelten
  • Die Länge der Myotomie lässt sich individuell an die Störung anpassen – ein wesentlicher Vorteil gegenüber der Operation
  • Kurze Erholungszeit und rascher Kostaufbau
  • Wiederholung oder Ergänzung durch andere Verfahren bleibt möglich

Mögliche Risiken

Wie jeder Eingriff ist auch POEM nicht völlig risikofrei. Wir klären Sie im Vorgespräch ausführlich auf.

  • Sodbrennen (Reflux): die häufigste Nebenwirkung. Weil der Schließmuskel bewusst geschwächt wird, kann Magensäure leichter in die Speiseröhre zurücklaufen. Das lässt sich in der Regel gut mit Medikamenten behandeln; wir kontrollieren dies im Verlauf gezielt.
  • Blutung, Verletzung der Speiseröhrenwand oder Infektion: selten und meist während des Eingriffs oder endoskopisch beherrschbar.
  • Luft im Gewebe oder Bauchraum: kommt vor, bleibt aber meist folgenlos und bildet sich von selbst zurück.
  • Eine offene Operation wird nur in Ausnahmefällen erforderlich.

Nachsorge

  • Langsamer Kostaufbau, zunächst flüssig, dann schrittweise fester
  • In der Regel vorübergehende oder dauerhafte Einnahme eines Säureblockers
  • Kontroll-Magenspiegelung im Verlauf, um die Speiseröhre zu beurteilen
  • Bei Bedarf erneute Manometrie oder eine Säuremessung (pH-Metrie), um Erfolg und Refluxbelastung objektiv zu erfassen
  • Die weitere Betreuung erfolgt in unserem Schluckzentrum – in enger Abstimmung mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt

Welche Alternativen gibt es?

VerfahrenKurz erklärt
Pneumatische BallondilatationDer Schließmuskel wird endoskopisch mit einem Ballon gedehnt. Wenig belastend, häufig sind aber wiederholte Behandlungen nötig.
Botulinumtoxin („Botox“)Entspannt den Schließmuskel vorübergehend. Vor allem geeignet, wenn ein größerer Eingriff nicht in Frage kommt; die Wirkung lässt nach Monaten nach.
Laparoskopische Heller-MyotomieOperative Durchtrennung der Muskulatur in Schlüssellochtechnik, meist kombiniert mit einer Manschette gegen Reflux (Fundoplikatio). Erfolgt in Kooperation mit der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie.
MedikamenteKönnen Beschwerden lindern, die Ursache aber nicht beheben. Heute nur noch in Ausnahmefällen.

Kontakt und Terminvereinbarung

Für ein Vorgespräch oder eine Zweitmeinung zur Achalasie-Therapie wenden Sie sich bitte an unser Sekretariat. Bringen Sie zum Termin bitte vorhandene Vorbefunde mit – insbesondere Manometrie- und Endoskopiebefunde.

Klinik für Gastroenterologie  DIAKOVERE Henriettenstift

Sekretariat  Tel. 0511 289-3408

Fax  0511 289-3001

E-Mail  gastro.dkh@diakovere.de

Online  Terminvereinbarung über das DIAKOVERE Patientenportal

Für zuweisende Ärztinnen und Ärzte

Wir beraten Sie gern zur Indikationsstellung und übernehmen die weiterführende Funktionsdiagnostik. Eine Vorstellung ist auch zur alleinigen Abklärung einer unklaren Dysphagie möglich. Kontakt über das Sekretariat (gastro.dkh@diakovere.de; Tel. 0511 289-3408) oder die Pforte (Tel. 0511 289-0); auf Wunsch werden Sie direkt oberärztlich verbunden.

Kontakt und Anfahrt

Klinik für Gastroenterologie
DIAKOVERE Henriettenstift
Marienstraße 72-90
30171 Hannover

Sekretariat
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