Kein Absturz nach dem Sturz – selbständig und mobil altern

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Altertraumatologisches Zentrum im Diakovere Henriettenstift, Fotograf: Marcel Domeier

Unfallchirurg Carsten Riemer auf Visite im Zentrum für Medizin im Alter

Erstes Alterstraumatologisches Zentrum (ATZ) Niedersachsens im Henriettenstift

Herzschwäche, Nierenschwäche, Harnwegsinfekte, erhöhter Blutdruck, Diabetes – die Liste dieser zumeist altersbedingten Leiden ist lang. Bei vielen Senioren stellen Ärzte häufig mehrere internistische Grunderkrankungen fest. Das schränkt Mobilität und soziale Kontakte der Betroffenen in der Regel geringfügig ein. Plötzlich kommt es zum Sturz mit Knochenbrüchen, die häufig zum Verlust der Selbständigkeit und im schlimmsten Fall in die Pflegebedürftigkeit führen – insbesondere nach Verletzungen wie dem Oberschenkelhalsbruch oder Frakturen an Armen und Händen.

Im Jahr 2014 entwickelten Ärzte des DIAKOVERE Henriettenstifts (DKH) das Projekt „Alterstraumatologie“, das nun als Alterstraumatologisches Zentrum (ATZ) zertifiziert wurde – als erstes seiner Art in Niedersachsen. Das Alterstraumatologische Zentrum ist ein struktureller Zusammenschluss der Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie (Standort DIAKOVERE Henriettenstift in der Marienstraße) und des Zentrums für Medizin im Alter (Standort DIAKOVERE Henriettenstift in Kirchrode). Die gemeinsame Zentrumsleitung haben Professor Klaus Hager und Doktor Lambert Herold inne.

„Die internistischen Probleme treten meist kurz nach der Operation auf. Daher muss die Behandlung auf jeden Fall von Internisten und Chirurgen gemeinsam und in enger Absprache erfolgen“, sagt Doktor Herold. Ziel dieser interdisziplinären Verbindung ist es, chirurgische Patienten unmittelbar nach der Operation aus der Unfallchirurgie in die Geriatrie zu verlegen, um hier auch die internistischen Grunderkrankungen der alten Menschen angemessen zu behandeln. Die unfallchirurgischen Fragestellungen werden zweimal wöchentlich bei gemeinsamer Visite von Chirurgen und Geriatern geklärt. So ist es möglich, die Patienten zügig zu mobilisieren. „Für jeden Tag im Bett benötigt man zwei Tage, um wieder auf die Beine zu kommen“, sagt Professor Hager.

Um eine schnelle Mobilisierung zu gewährleisten, erhalten sie eine so genannte frührehabilitative Komplexbehandlung mit Krankengymnastik, Gruppentherapie, Ergotherapie, Gerätetraining und physikalischer Therapie. Das soll die Verweildauer verkürzen und die Heilung verbessern. Denn Mobilität ist der Schlüssel zu sozialen Kontakten und verringert die Risiken einer Pflegebedürftigkeit des Patienten.

Im DKH können aktuell auf diese Weise rund 250 Menschen im Jahr behandelt werden. Das Alterstraumatologische Zentrum ist menschlich, wirtschaftlich und strategisch sinnvoll.

 
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